Im Daintree Nationalpark wachsen die ältesten Blütenpflanzen der Erde. Der Regenwald ist über 120 Millionen Jahre alt.
Punkt 8:30 Uhr verlassen wir unsere Villa. Der kleine Umweg zum Café Botanica ist eingeplant. Wir holen uns noch einen Matcha Latte und einen Blueberry Muffin und los geht’s. Die entscheidende Frage: Für wen ist wohl was 🤔
Wir lassen Cairns und Port Douglas rechts liegen und fahren weiter in den nördlichsten Teil von Queensland. Leider verlässt uns auch die Sonne und es fängt an zu Regnen. Der erste nennenswerte Regen seit 3 Wochen 🌧️
Ohne Regen kein Regenwald und dem nähern wir uns Kilometer für Kilometer. Um genau zu sein, nähern wir uns dem ältesten Regenwald der Welt - zumindest dem, was davon übrig geblieben ist.
Erst seit 1991 ist die Gegend nördlich des Daintree Rivers Nationalpark. Alle Versuche, auch hier Zuckerrohr anzubauen, scheiterten zum Glück 🙏 Das Wetter ist zu unbeständig, zu nass.
Das und noch viel mehr erzählt uns unsere Guide Mark, während er die SolarWhisper entlang des Ufers des Flusses steuert, der nur gute 9 Kilometer entfernt ins Meer mündet.




Sein eigentliches Interesse gilt aber den Krokodilen, die es sich am Ufer gemütlich gemacht haben. Er kennt sie alle beim Namen, kennt ihr Alter und ihr Gewicht. Da wären Sandy, Samy und Dusty. Sie sind alle weiblich und maximal 3 Meter lang 🐊
Ein klares Indiz dafür, dass es Salzwasserkrokodile sind, sogenannte „Salties“. Sie lieben Brackwasser. Erinnert Ihr Euch noch an die Noosa Everglades? Genau dasselbe Prinzip greift hier: Das Salzwasser aus dem Meer, vermischt sich mit dem Süßwasser aus dem Daintree River.
Ein idealer Lebensraum mit viel Spielraum zum Jagen. Salties fressen Fische, Wallabies, auch kleinere Krokodile, weswegen von den Kleinen nur etwa 5 Prozent überleben. 6 Jahre dauert es, bis sie eine adäquate Größe von 1,5 Metern erreichen 😳
Das größte und älteste Krokodil ist Scarface. Träge liegt er am Ufer, dabei war er die letzten 20 Jahre der König des Daintree Rivers. Doch in letzter Zeit verliert er immer mehr Zähne. Das heißt nicht, dass seine Beute jetzt leichteres Spiel hat. Ganz im Gegenteil, er hält sie einfach noch länger unter Wasser gefangen, damit sie zart und weich wird 😬




Weil die Flut mehr und mehr Wasser in den Fluss drückt und wir mit Solarenergie anstatt Dieselgestank unterwegs sind, können wir in einen der Seitenarme abbiegen. Dieser wirkt viel unberührter und ist ein Paradies für den White Lip Frog, die Green Tree Snake, den Kingfisher, den Schlangenhalsvogel, der den Kormoranen sehr ähnlich steht, und den Mangrovenreiher 🪶




Eine Stunde später gehen wir wieder an Land. Es regnet immer noch 😓 Wir überqueren mit einer kleinen Autofähre den Daintree River und tauchen in eine andere Welt ein.
Die Straße windet sich durch dichten Regenwald. Manche Pflanzen wirken, als wären sie direkt aus der Kreidezeit herübergerettet worden. Kein Wunder, denn im Daintree wachsen die ältesten Blütenpflanzen der Erde. Der Regenwald ist über 120 Millionen Jahre alt 😲
Den Abstecher zum Mount Alexandra Lookout sparen wir uns. Wir haben ja noch 2x die Chance auf besseres Wetter. Da gönnen wir uns doch lieber ein Eis als kleine Aufmunterung und das von Daintree Ice Cream Company soll wirklich das Beste sein.
Wir probieren die Sorten: Mango, Kokosnuss, Black Sapote, eine Art Kakifrucht, und Wattleseed, Akaziensamen. Die Sorten wechseln je nach Reife der Früchte. Ich bestelle noch einen Cappuccino ohne Schokolade in Top - eine komische Eigenart der Aussies 👎
Am späten Nachmittag erreichen wir dann unser Ziel. Das Cape Trib Beachhouse ist einfach ausgestattet, verfügt über ein recht gut bewertetes Restaurant und liegt quasi am Meer 🙃🙂 Wie immer stellen wir erst einmal die Lebensmittel und Getränke kalt.


Endlich lichtet sich der Regen und wir erkunden das Areal. Die Kulisse nach dem Regen ist unbeschreiblich. Überall tropft es von den Blättern, die aufgrund der Nässe richtig schön Grün leuchten 💚




Und als hätte ich es geahnt, unser Spaziergang dauert länger. Da Ebbe ist, können wir den 1,5 Kilometer entfernten Kulki Lookout direkt über den Cape Tribulation Beach erreichen.
Der Name klingt nach Abenteuer - und das ist es auch. Tatsächlich stammt er von James Cook, dessen Schiff hier im Jahr 1770 auf ein Riff lief. „Hier begann unser Ärger“, notierte er trocken ins Logbuch 😱
Denn genau an diesem Strand treffen gleich zwei UNESCO Weltnaturerben aufeinander: der älteste Regenwald der Erde und das Great Barrier Reef, weltweit eine einmalige Kombination. Gäbe es die Krokodile nicht, könnten wir durchs seichte Wasser bis zum Riff laufen. Anstatt dessen suchen wir Schutz in den Mangroven und bestaunen die verschiedenen Blätter, Blüten und Früchte.





Stellt Euch vor, 45 Arten wachsen im Daintree Nationalpark. Sie alle sind echte Überlebenskünstler, halten Wind und Wetter stand. Zudem filtern sie mit ihrem einzigartigen Wurzelsystem das Wasser, schützen die Küste vor Erosion und dienen als Kinderstube für viele tropische Meeresbewohner, eine Art „Kindergarten des Ozeans“ 🐟





Klar, mit blauem Himmel wäre die gesamte Kulisse noch beeindruckender, doch dann würden sich die Wolken nicht so schön im Wasser spiegeln. Außerdem wollen wir unser Pulver nicht verschießen, wir brauchen noch mindestens 2x schöneres Wetter. Wieso? Stay tuned 😉



Wir erreichen den Kulki Boardwalk, der durch üppiges Grün, vorbei an Lianen, Farnen und knorrigen Wurzeln führt. Den Blick vom Aussichtspunkt verschieben wir. Für den perfekten Blick auf den Strand wäre ein wenig mehr Sonne schon schöner.
Zurück im Cape Trib Beach House gönnen wir uns im Restaurant einen Cider und ein Ginger Beer mit 3,5 Volumenprozent als Aperitif und genießen dann das erste Mal Känguru mit Zweierlei von der Süßkartoffel und Brokkoli sowie Linguine mit Barramundi und Meeresfrüchten in Zitronensauce. Wir hatten gar nicht erwartet, so gut zu essen 🤫


Die Nacht ist erstaunlich ruhig. Klar hören wir hier mal ein Rascheln und dort mal ein Geräusch, aber alles im Rahmen dessen, was wir auch bisher wahrgenommen haben.
Juhuuu … die Sonne scheint. Hätte der Wetterfrosch uns das vorher verraten, wären wir zum Sonnenaufgang an den Strand gegangen. Hat er aber nicht, dann schauen wir eben erst gegen 8:30 Uhr hin ☀️




Wieder ist kaum Wasser da, irgendwie haben wir dafür momentan ein Händchen. In dem Fall aber besser so: Wo kein Wasser, da auch keine Krokodile. 5 Meter Abstand ist dringend erforderlich und schwimmen ist nur an Stränden mit Aufsicht erlaubt. Warum?
Krokodile können maximal 7 Stunden unter Wasser verbringen. Das heißt, in dem Moment wo sie auftauchen, sehen sie die Rettungsschwimmer und können rechtzeitig reagieren. Fakt ist: Wer sich an die Regeln hält, dem passiert auch nichts 👌




Das gilt übrigens auch für die meisten Spinnen, die sichtbar in ihren Netzen hängen. Sie sind alle harmlos oder sagen wir so, ein Biss würde wie ein Wespenstich auch jucken, aber keinen Menschen töten. Wir haben da mal eine Kollektion zusammengestellt. Mit dabei sind eine Andreaskreuzspinne, verschieden Seiden- oder auch Radnetzspinnen sowie Juwelenspinnen 🕷️








Der Daintree Nationalpark birgt noch viele Geheimnisse. Wir versuchen ein paar davon zu entdecken. Zuerst schauen wir nochmals vom Kulki Aussichtspunkt auf den Cape Tribulation Beach in seiner vollen Länge. Schon beeindruckend, wie fließend der Übergang zwischen Regenwald, Strand unf Riff ist 😲 Hier übrigens der direkte Vergleich: mit und ohne Sonne.


Als Nächstes steuern wir den Myall Beach und den Dubuji Boardwalk an. Auch an diesem Strand mit feinem Sand und Palmen ist so gut wie kein Mensch unterwegs. Wo sind die Touristen alle?





Ein paar von ihnen treffen wir auf dem 1,8 Kilometer langen Rundweg. Was uns dabei immer wieder erstaunt, wie viele von ihnen quasi durch den Regenwald rennen, am besten noch mit laut schreienden Kindern. Kein Wunder, dass Kasuare und Baumkängurus Reißaus nehmen. Sie alle reagieren sensibel auf Lärm und Erschütterungen 😢






Uns hat es besonders die Australische Fächerpalme angetan. Vielleicht liegt es am englischen Namen: Fan Palm. Ihre fast kreisrunden Blätter wirken wie überdimensionale Sonnenschirme und spenden Schatten, wo sonst nur Lichtflecken durch das Blätterdach tanzen. Viele Bewohner, von kleinen Fröschen bis hin zu Insekten, nutzen sie als Versteck oder Regenschutz ☔️
Einige der grünen Fächer werden über zwei Meter breit. Daneben fühlen wir uns winzig. Sie begegnet uns immer wieder, aber sattsehen können wir uns an ihr nicht. Besonders faszinierend: Nach dem Regen tropft das Wasser an den Blattspitzen in feinen Fäden nach unten, es entsteht ein kleiner Wasserfall.




Zum Ende des Walks lichtet sich der Regenwald und zeigt sich von einer ganz anderen Seite. Schuld ist ein Zyklon, der vor Jahren wütete. Aufgrund des Klimas kommt es im Daintree Nationalparks häufiger zu extremen Wetterereignissen. Die Temperaturen sind meist warm bis heiß und die Niederschläge sehr hoch, insbesondere in der ausgeprägten Regenzeit von Januar bis März 🫨



Ganz in der Nähe ist das Turtle Rock Café. Zeit fürs Frühstück … Nein, nicht hier. Gefühlt sind gerade 5 Busse mit Touristen angekommen. Es ist wahnsinnig laut. Fast hätten wir deswegen Hunderte Flying Foxes, genauer gesagt Australische Brillenflughunde, nicht wahrgenommen 🦇
Dabei hängen sie direkt gegenüber vom Café kopfüber in den Baumkronen, eng aneinandergekuschelt wie überdimensionale Früchte mit Flügeln und ihr Gekreische und Gezeter hallt zu uns rüber.
Zwischendurch flattern einzelne Tiere lautstark von Ast zu Ast, als bräuchten sie mal kurz Abstand vom dichten Gedränge. Der wirkliche Grund. In der Sonne wird es ihnen zu warm unter den Flügeln. Genau wie die Kasuare sind sie für den Regenwald unglaublich wichtig: Als Bestäuber und Samenverteiler halten sie das Ökosystem am Laufen - nicht tagsüber, sondern nachts 🥳





Gut, dass wir auf Google schon eine Alternative entdeckt haben. Die Sandbar ist Bestandteil des Cape Tribulation Zeltplatzes und noch ein echter Geheimtipp. Die Pizza aus dem Holzofen ist super dünn und dennoch gut belegt. Wir teilen uns eine herzhafte und eine süße Variante 🍕



Gestärkt begeben wir uns auf den Madja Botanical Walk. Wer jetzt denkt, Hilfe, noch mehr Palmen, irrt. Der 1,2 Kilometer lange Rundweg zeigt eine ganze andere Vegetation. Sie ist sehr viel dichter und durch Mangroven geprägt 🙃🙂
Erst auf den zweiten Blick erblicken und mit Hilfe der Infotafeln entdecken wir, dass in diesem Teil des Nationalparks die ältesten Blütenpflanzen der Erde wachsen. Ihre Früchte sind es, die den Kreislauf der Natur am Leben erhalten. Deswegen ist mitnehmen auch streng verboten 🚫





Viele Vögel wie der Paradiesvogel sind hier Zuhause, ebenso kleine Sumpfkrabben, die Man-faced Stink Bug, übersetzt Gesichtsstinkwanze, und die Australische Wasseragame 🦎
Die ist schneller den Baum hoch als wir gucken können. Scheinbar haben die vielen Touris sie erschreckt. Nur ein paar Minuten später, als der Tross abgezogen ist, gefällt es ihr da hoch oben nicht mehr und sie lässt sich einfach ein paar Meter tief fallen 🫢







Für ein Mittagsschläfchen auf dem Weg zum Mount Alexandra Lookout bleibt keine Zeit. Kurz nachdem wir losfahren, entdecken wir einen Kasuar die Straße entlang laufen. Was macht der hier? Es ist früh am Nachmittag. Ist er auf dem Weg zu Kaffee & Kuchen 🤔
Zunächst dachten wir, es sei ein Männchen, doch wie wir später herausgefunden haben, sind es bei dieser urtümlichen Vogelart die Weibchen, die deutlich größer, kräftiger und farbenprächtiger sind 🥰
Der leuchtend blauen Hals, die auffälligen roten Hautlappen und der imposante hornartige Helm sind nicht zu übersehen. Trotz ihrer Masse wirkt sie wie eine Königin auf leisen Sohlen und lässt sich so gar nicht von den Autos stören.
Weibliche Kasuare sind eigentlich noch seltener zu sehen als die Männchen. Vielleicht liegt es an der Brutzeit. Von Juni bis Oktober legen weibliche Kasuare ihre Eier in verschiedene Nester, die jeweils von unterschiedlichen Männchen bewacht und ausgebrütet werden - was für ein komischer Vogel 🪺
Wow 😲 Was für ein Erlebnis! Fast 10 Minuten lässt sich Madame ohne Hast und Eile ganz nah aus dem Auto heraus beobachten. Irgendwann hat sie genug und zieht sich ganz gemächlich ins Dickicht zurück. Was ein besonderer Moment mit dem wohl eindrucksvollsten Tier Australiens.




Mit einem Adrenalinschub vom Feinsten fahren wir weiter zum Mount Alexandra Lookout. Die Sicht ist nicht mehr ganz so gut. Dennoch können wir den Daintree River in der Ferne glitzern sehen - diese Weite, unvorstellbar 😎
Auf dem Rückweg stoppen wir noch einmal für ein Eis. Diesmal entscheiden wir uns für die Floravilla Ice Cream Factory. Alles aus biologisch angebauten Zutaten und unserer Meinung nach ein Tick interessanter, ein Stück exotischer als die Sorten bei der Daintree Ice Cream Company 🍧


Wusstet Ihr das im Daintree Nationalpark auch Tee angebaut wird? Wir nicht, bis wir an der Cubbagudta Plantation vorbeikommen. Seit 1978 baut die Familie Nicholas komplett frei von Pestiziden Tee an. Die perfekte Basis für den Chai Latte, den ich zum Frühstück getrunken habe 🫖
Der Stand am Wegesrand ist leer, die „Honesty Box“ hoffentlich gut gefüllt. Würden wir von Australien 🇦🇺 direkt nach Hause fliegen, hätten wir sicherlich eine als Erinnerung Packung mitgenommen.



Am späten Nachmittag checken wir in der Daintree Deep Forest Lodge ein. Sie liegt auch mitten im Regenwald, fernab von Handyempfang und Internet. Strom erzeugt die Solaranlage und im Notfall der mit Gas betriebene Generator.
Mark hat die Unterkunft gebucht, weil auch hier ein Kasuar Zuhause ist. Marie, die Besitzerin, erklärt uns, dass es gerade an der Zeit ist, dass die Jungen flügge werden. Demnach sind sie 9 Monate alt. Ein Papa mit seinen Kindern, das wäre jetzt natürlich die Kirsche auf der Sahnetorte 😊 Seine Lieblingsfrucht ist schon mal in ausreichender Menge vorhanden.



Wir setzen uns auf die Terrasse, genießen unseren letzten Gin Tonic und warten. Irgendwann gibt es dann die Reste vom Risotto und dem gebackenen Kürbis. Der Kasuar lässt sich leider nicht blicken. Nicht schlimm, wir haben insgesamt 2 Stück in freier Wildbahn gesehen. Was für ein großes Glück 🍀