Die Noosa Everglades, ein einzigartiges Feuchtgebiet und eines von nur zwei vergleichbaren Systemen weltweit. Das andere liegt in Florida.
Endlich durchgeschlafen … Doch was ist das? Regen? Nur die letzen Tropfen, Glück gehabt. Jetzt muss nur die Sonne die dicken Wolken wegschieben und alles ist fein. Wie gut, dass wir uns entschieden haben, mit einem sogenannten Tinnie selbst zu fahren 🙏
Da bleibt doch glatt noch etwas Zeit, das ein oder andere Känguru zu fotografieren, dass schon wieder direkt vor unserem Zelt am Fressen ist. Sie sind aber auch süß, insbesondere die Kleinen ☺️





Wir starten also etwas später als geplant. Los geht’s direkt von der kleinen Marina vom Habitat Noosa, wo auch geführte Bootstouren, Kanu- und Kajaktrips angeboten werden. Respekt: One way rund 10 Kilometer bis Harry‘s Hut sind nicht ohne 🛶
Die erste Herausforderung für uns: Wir müssen die rote Markierung auf dem Lake Cootharaba finden. Denn am Ufer entlang ist das Wasser zu flach. Wie sie sehen, sehen sie nichts. Wir fahren einfach mal los. Die Richtung wird schon stimmen 🫣 Und tatsächlich, irgendwann sehen wir etwas im Wasser - erst Schilf, dann die Markierung.


Wir umrunden diese und peilen das Kinaba Information Centre an. Dort beginnen die Everglades, die sich über mehr als 60 Kilometer nahezu unberührte Wasserwege, Seen, Sümpfe und schmale Kanäle durch den Great Sandy National Park erstrecken.




Der Begriff „Everglade“ bezeichnet übrigens genau das: Gebiete mit sumpfigen Landstrichen, die von hohen Gräsern und verzweigten Wasserwegen geprägt sind. Wie gesagt, weltweit gibt es nur zwei Ökosysteme, die dem entsprechen: die in Florida 🇺🇸 und die in Noosa 🇦🇺
Die Noosa Everglades haben übrigens noch eine Besonderheit. Sie zählen zu den sogenannten „Brackwasser“-Systemen. Das heißt, Süßwasser aus dem Noosa River vermischt sich mit dem Salzwasser aus dem Meer. Da es zudem so gut wie keine Landwirtschaft oder Bebauung in der Nähe gibt, ist ein idealer Lebensraum für Fische, Amphibien und Pflanzen entstanden 🤓
Natürlich dürfen wir nur ausgewählte Flussläufe befahren, um die Balance dieses empfindlichen Ökosystems nicht zu sehr zu stören. Allein in diesem kleinen Teil des über 220.000 Hektar großen Nationalparks wird uns bewusst, was die Natur geschaffen hat - bewundernswert 🙂🙃


Wir passieren den Kin Kin Creek und gleiten bis zum Fig Tree Point. Auf dem Weg sehen wir Pelikane, Reiher und Kormorane, die sich auf einer Sandbank oder einem Ast in der Sonne trocknen - wunderschöne, majestätische Vögel 😲
Unser Boot fährt mit einer maximalen Geschwindigkeit von 6 bis 10 Knoten, was in etwa 11 bis 18 Kilometern pro Stunde entspricht. Aber wir haben es nicht eilig. Wir genießen die Fahrt. Mittlerweile hat es auch die Sonne geschafft, die Wolkendecke zu durchbrechen. Das Wasser ist so ruhig, dass sich die Teebaumwälder und Sumpfzypressen darin spiegeln ☀️




Die Ruhe wirkt magisch. Außer dem Surren unseres Motors, dem leisen Plätschern der Paddel, wenn uns ein Kajak oder Kanu entgegenkommt, oder dem Vogelgezwitscher hören wir nichts 🤫 Das Besondere an der Strecke bis Harry‘s Hut sind die immer wieder übers Ufer hängenen Bäume, die teilweise wie abgestorben wirken.
Nach gut 2 Stunden sind wir am Ziel: Schon seit den 1950er Jahren ist Harry‘s Hut Anlaufstelle von Naturfreunden und Abenteurern. Der Campingplatz ist mit dem Auto nur über eine sehr raue Sandpiste zu erreichen. Es empfiehlt sich ein 4x4 mit hohem Bodenabstand 🥾
Wir parken am Public Jetty und frühstücken erst einmal in Ruhe. Genau deswegen sind wir allein unterwegs. Keiner, der uns vorschreibt, wann wir wo sein müssen. Wir können uns die Zeit komplett frei einteilen. Hauptsache wir sind bis spätestens 16 Uhr zurück 😎






Wir warten, dass die größeren Boote ablegen, schließlich wollen wir noch einmal in den Genuss der spiegelglatten Wasseroberfläche kommen. Nicht umsonst nennen die Aussies diese Strecke auch „River of Mirrors“, weil das stille, tanninreiche Wasser die Ufervegetation und den Himmel perfekt spiegelt🪞
Auf der Rückfahrt übernehme ich das Ruder. Bei niedrigster Geschwindigkeit dirigiere ich unser Tinnie mit Geduld und Spucke durch den Fluss, so dass Mark in Ruhe fotografieren kann. Es lohnt sich, denn ein Kormoran sonnt sich auf einem Ast und lässt sich dabei von uns so gar nicht stören 😇




Es geht zwar denselben Weg zurück, dennoch wirkt alles anders. Der Fluss fühlt sich breiter an, die Sonne wirft ein anderes Licht auf die Bäume, die Spiegelungen wirken noch skurriler - es ist wirklich ein einmaliges Naturschauspiel 😊






Drei Mädels fragen uns, ob wir sie ein Stück „abschleppen“ können. Klar, machen wir das. Die Armen haben sich wohl ein wenig überschätzt. Ich sag’s ja, 20 Kilometer Kanutour haben es in sich 🫢




Wir kommen zurück zum Fig Tree Point, wo sich immer noch die Pelikane, Reiher und Kormorane in der Sonne aalen. Wunderbar! Jetzt bitte einmal stillhalten und Mark hat das Bild im Kasten, oder auch 2, 3 oder 4 😉




Kurz vor dem Kinaba Information Centre übernimmt Mark das Steuer und dann geht es mit Vollgas zurück. Der See liegt völlig ruhig in der Sonne. Wir ankern und waten zurück zum Ufer.




Was für eine grandiose Bootstour. Besser hätte sie kaum sein können. Wir, nur zu Zweit, und diese unbeschreiblich schöne Natur. Darauf müssen wir erstmal anstoßen - mit Eis und Prosecco, die Happy Hour lässt grüßen 🥂



Bis zur Dämmerung schlendern wir noch etwas übers Gelände des Habitat Noosa, ein wirklich empfehlenswerter Campingplatz, insbesondere für Clamping. So ein Zelt mit eigenem Bad ist schon Luxus. Dazu die verschiedensten Vögel und natürlich die Kängurus, was für eine Kombination 🥰







Sobald die Sonne weg ist, kühlt es ab. Wir tauschen Flipflops gegen Wanderschuhe und Socken und schlüpfen in eine warme Jacke. Zum Abendessen haben wir im Coothara BAR & Bistro einen Tisch bestellt. Das zum Campingplatz zugehörige Restaurant bietet von regionaler bis asiatischer Küche eine gute Auswahl.
Wir entscheiden uns für Pizza mit Ente und einen Pie mit Pulled Beef, Erbsen und Pommes, dazu eine Cola und ein Kokosnusswasser. Den Gin Tonic und die Schokolade gibt es im Anschluss im Zelt als willkommenen Abschluss für einen tollen Urlaubstag 👌

Krass, wir sind erst 5 Tage unterwegs und haben schon so viele Eindrücke gewonnen. Die Sunshine Coast war ein sehr guter Einstieg mit Sonne, Strand und Meer. Dazu diese abwechslungsreiche Landschaft mit Akazien, Eukalyptusbäumen, Palmen und natürlich die Kängurus: Herzlich Willkommen in Australien 🇦🇺
Wir lassen das Erlebte kurz sacken, bevor das nächste Kapitel auf uns wartet: Marks Geburtstag in Rainbow Beach 🥳