Auf Namhae erwartet uns eine Mischung aus Meerblick, Reisanbau und deutscher Nostalgie.

Nach Tagen voller Städte und Tempel sowie Bergen, Brücken und Teeplantagen wechseln wir noch einmal die Kulisse und besuchen Namhae. Die  fünftgrößte Insel, auch bekannt als „Schatzinsel“, liegt an der südlichen Küste und ist bereits seit 1973 durch eine 660 Meter lange Hängebrücke mit dem Festland verbunden 🙂🙃 

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Beton trifft auf Stahl als Symbol für Wiederaufbau und Bewegung: Allerdings überqueren wir das Meer nicht über die Namhae Brücke, die  lange Zeit die wichtigste Verbindung war. Das Navi führt uns über die benachbarte, 4-spurige Noryang Brücke, die aufgrund steigender Verkehrsmengen 2018 in Betrieb genommen wurde 😎 

Wir vertreten uns im Hafen unterhalb des Hallyeohaesang Nationalparks kurz die Beine und besichtigen die Boote. Eins davon sieht aus wie Tempel. Keine Ahnung, ob es noch fährt. Auf jeden Fall steht am Anleger selbst auch eine Buddha Statue - irgendwie eine komische Kombination 🤨

Ein Stück weiter liegt ein Nachbau des Schildkrötenschiffs, mit dem Admiral Yi Sun-sin im Imjin Krieg des 16. Jahrhunderts gegen die japanische Flotte kämpfte, auf dem Wasser. Das Geobukseon war ein schwimmendes Bollwerk, die Holzrümpfe haben sogar Eisenstacheln.

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Wir nehmen uns Zeit für die Fahrt in unsere Unterkunft und tingeln über die Dörfer. Auf den Straßen ist so gut wie nichts los, weshalb wir einfach anhalten können, wenn uns was Besonderes ins Auge fällt, wie zum Beispiel die ein oder andere Kirche - oft imposante Gebäude ⛪️

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Landschaftlich ist die Insel geprägt von Reisfeldern, die sich gerade in all ihrer Farbenvielfalt zeigen, von Grün wie, der braucht noch ein bisschen, über Gelb wie, der ist reif für die Ernte, bis Braun wie, der ist nur noch als Heu zu gebrauchen 😃

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Unsere Unterkunft liegt in einer kleiner Bucht eingerahmt von zwei grünen Hügeln, die an die Buckel eines Wals erinnern. Weshalb die Pension den Namen Somewhales trägt. Bekannte Wale wie Buckel- oder Blauwale gibt es in den Gewässern rund um Namhae nicht. Es wurden lediglich Ostasiatische Glattwale gesichtet. Sie sind wesentlich kleiner und gehören zur Familie der Bartenwale 🐳 

Mark würde am liebsten sofort in den Jakuzzi springen, aber bei den Temperaturen 🤔 Ihn wurmt es immer noch, dass die Südkoreaner das Baden ab September verbieten, insbesondere weil das Wasser seicht und klar ist. Es wäre wirklich die willkommene Erfrischung bei 27 Grad und mehr.

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Wir haben uns auf der Fahrt zwei Fischrestaurants angeschaut. Die sahen gut aus, waren aber schon teuer oder sagen wir es anders: Sie servieren Menüs, die eher auf 3 bis 4 Personen ausgerichtet sind - zu Zweit demnach schwierig. Wir checken also nochmal Google und Naver und finden ein Restaurant in der benachbarten Bucht.

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Wir können Euch leider nicht wirklich sagen, wie es heißt. Bei Google stand irgendwas mit „The House“, was eher den Zustand beschreibt. Denn tatsächlich sitzen wir in einem kleinen Raum mit 3 Tischen und werden von einem Ehepaar, was kein Wort Englisch spricht, bekocht.

So langsam haben wir uns dran gewöhnt, erst einmal mit der Übersetzungsapp die Karte zu fotografieren, um sie dann studieren zu können 😂 Wir entscheiden uns für Tonkatsu, ganz klassisch mit Reis und Krautsalat sowie Flunder, die mit Kimchi und anderem eingelegten Gemüse serviert wird. 

Unsere Gastgeberin ist ganz überrascht, wie sauber ich die Flunder filetiere. Das kennen die Asiaten so nicht. Sie beißen im Zweifel einfach ab und spucken die Gräten aus, ähnlich wie beim Hühnchen mit den Knochen 😜

Das war mal wieder ein richtig gutes und authentisches Essen. Als wir das Restaurant verlassen ist es stockdunkel. Zurück in unserer Unterkunft weihen wir noch den Soju aus Andong ein und schauen einen Film 🍿

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Trotz eines bequemen Betts sind wir am nächsten Morgen früh wach. Das ist aber auch gut so, denn wir wollen die Insel erkunden, wenn möglich die Ganze, denn die Sonne lacht ☀️

Es ist wirklich erstaunlich, was hier an der Küste für wunderschöne Häuser stehen. Keins gleicht dem anderen, da haben sich die Architekten mal richtig austoben können. Vieles sind Unterkünfte, aber für wen?  

Europäer haben wir schon seit Jeonju nicht mehr gesehen. Tatsächlich sind es in erster Linie koreanische Touristen, die auf der Insel nach Ruhe, Natur und Kultur suchen. Zumal Namhae ein zugängliches Reiseziel mit einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis ist. 

Und ja, das können wir gut verstehen. Der Blick aufs Meer wirkt super entspannend und die kleinen Buchten bieten vermutlich im Sommer ein 1A Badevergnügen 👙

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Es dauert gar nicht lange und wir halten in Gacheon Daraengi Village, wo sich über 100 Reisterrassen wie ein Linienmuster entlang der steilen Küstenhänge ziehen. Schmal, dicht, präzise, wie mit dem Lineal gezogen, werden die Hänge seit Jahrhunderten ohne Maschinen, per Hand und mit Hacke bearbeitet 🌾

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Kein Wunder, dass hier schon etliche K-Dramen gedreht wurden. Diese Serien sind in Korea allgegenwärtig – bildgewaltig, emotional, oft romantisch. Was sie brauchen: starke Szenerien. Genau die liefert dieses Dorf.

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Die Terrassen sind traumhaft, fast schöner als auf Bali, insbesondere weil sie kurz vor der Ernte stehen. Anstatt in einem zarten Grün präsentieren sie sich in satten Grün- und Gelbtönen. Dazu gesellen sich Gärten mit Chilis, Kürbissen und Gurken, deren Schalen in der Sonne trocknen. Wir können uns nur schwer loseisen. Dennoch müssen wir, wir sind gerade mal 6 Kilometer weit gekommen 🤣

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Es gibt so viel Interessantes auf der Strecke zu entdecken. Da wäre zum Beispiel Namhae Beach Hotel, was aussieht wie ein Schloss, der Campingplatz, wo Ihr in quietsche gelben Wohnmobilen übernachten könnt, oder die Freiheitsstatue, die im American Village steht. Keine Ahnung, was da wen geritten hat 😅

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Gut eine Stunde später ist es Zeit für Urlaub im Urlaub. Durch Zufall entdecken wir die Namhae Lounge 32 und würden am liebsten gleich einziehen. Das kleine Hotel hat einen Infinity Pool auf dem Dach, die Zimmer haben Meerblick, der schmale Sandstrand lädt zum Spaziergang ein und das angeschlossene Café zum Verweilen.

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Wir bestellen erneut Croffles, ihr wisst schon, im Waffeleisen gebackene Croissants, diesmal mit frischen Feigen. Dazu gibt es für mich einen Milchkaffee, der Cappuccino wird in Korea nämlich wie in Australien mit Kakaopulver serviert, und für Mark einen frischen Saft aus Yuzu 🍋

Wir setzen uns auf die Terrasse und genießen die Sonne. Ja, einfach so! Vergessen ist, was wir noch vorhaben. Hätten wir Badesachen dabei, würden wir jetzt glatt eine Runde im Pool chillen 😎

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Irgendwann raffen wir uns dann doch auf und fahren zum Sangju Silver Sand Beach, einem der bekanntesten Strände Südkoreas 🏖️ Der Sand ist fein, das Wasser ist klar und warm. Doch Baden ist nicht, so dass es sich nicht lohnt, länger zu bleiben - wirklich schade 😢

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Wir machen noch einen Abstecher in den Hafen des kleinen Fischerdorfs Mijo. Mijohang ist der größte Fischereihafen auf der Insel und besonders bekannt für die berühmten silbernen Sardellen 🐟 

Wir recherchieren mal wieder ein wenig und stellen fest, trotz des hohen Fischverzehrs pro Kopf mit fast 15 Kilogramm sind die Gewässer rund um Südkorea nicht überfischt. Das liegt daran, dass Fischfallen oder -zäune, auch „Jukbangnyeom“ genannt, aus Bambus zum Einsatz kommen.

Diese passive Fangmethode, wo Fische in die Falle schwimmen, aber nicht wieder entkommen können, minimiert den oft ungewollten Beifang und schützt den Meeresboden. 

Des Weiteren werden Kiemennetze verwendet, die wie senkrechte Vorhänge im Wasser hängen. In den feinen Maschen bleiben die Fische mit ihren Kiemen hängen. Auch die gelten als selektive Fangmethode und sind schonender für den Lebensraum 👌

Im Moment herrscht absolute Ruhe. Das war in den frühen Morgenstunden sicherlich ganz anders, als die Fische angeliefert und verladen wurden. Zumindest spricht die Zahl der Boote dafür. Es sind eine ganze Menge. Und es erklärt auch die Netze, die wir in der Ferne auf dem Meer liegen sehen 🕸️

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Ich bin ehrlich, das traditionelle Gericht „Myeolchi Hoe“, frische, geschnittene Sardellen mit einer würzigen Chojang-Sauce, hätte mich sehr interessiert, aber irgendwie ist es uns nicht so wirklich über den Weg gelaufen beziehungsweise haben wir nur die Brücke zur Küstenmauer so wirklich wahrgenommen 🫣

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Das Treasure Island Observatory, ein modernes Bauwerk, das mit seinem Panorama von 360 Grad das Meer und die Küste eindrucksvoll einrahmt, lassen wir links liegen. Den Eintritt von 15.000 WON ist es uns nicht wert. Dafür hatten wir schon sehr viel schönere Ausblicke auf oft zerklüftete Küste.  

Wir statten lieber dem Deutschen Dorf noch einen Besuch ab. Das ist keine Erfindung von uns. Das Dorf ist in den 1960er und 1970er Jahren entstanden, als rund 10.000 Koreanerinnen als Krankenschwestern und gut 8.000 Koreaner als Bergleute in die BRD gingen.

Als Dankeschön bot die südkoreanische Regierung den Auswanderern ein Stück Land an, auf dem sie später authentische Häuser errichten konnten. Und tatsächlich, die weißen Häuser mit roten Ziegeldächern erinnern ein wenig an Zuhause 😊

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Wir fragen uns, warum es neben deutschen Bäckereien und Biergärten in erster Linie Currywurst zu essen gibt. Ganz einfach, viele der Gastarbeiter gingen ins Ruhr- oder Rhein-Main-Gebiet, was wiederum die Biere der Brauerei Schmucker aus dem Odenwald erklärt. 

Bier ist ja nicht so unseres, aber eine Curry- und Bratwurst probieren wir und auch bei den Berlinern und einem Roggenbrot können wir nicht wiedersehen. Dazu kaufen wir noch einen Camembert, das Abendessen ist gesichert. 

Wir fallen natürlich unter all den Koreaner mal wieder auf und werden direkt gefragt, ob wir aus Deutschland kommen und ob uns Südkorea gefällt. Beides beantworten wir wahrheitsgemäß mit „Ja“ und bekommen gleich noch ein Eis aufs Haus. Der junge Mann freut sich sichtlich, mal wieder Deutsch zu sprechen. 15 Jahre hat er in Münster, meiner Lieblingsstadt für Studenten, gelebt ☺️

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Die Geschichte des Dorfes und die Idee dahinter klingen im Grunde genommen sehr charmant. Doch in den letzten Jahren ist der Tourismus so stark angestiegen, insbesondere bei den Koreanern selbst, dass das Angebot eher den Kommerz bedient, als die Verbindungen zwischen Korea und Europa auf ungewöhnliche Weise widerzuspiegeln, was ein bisschen schade ist 😕

Wow 😲 Was für ein Tag. Der Rückweg ist in Nullkommanix geschafft. Nach gut 40 Minuten sind wir wieder in der Somewhales Pension. Auch wenn es Euch anders erscheinen mag. Die Strecke hin zum Deutschen Dorf umfasste mit all den Abstechern entlang der Küste knapp 50 Kilometer. Zurück ging’s direkt über die Insel, was nicht mal 30 Kilometer waren 🤭

Bei einem wunderschönen Sonnenuntergang lassen wir den Abend entspannt ausklingen. Mark beobachtet diesen direkt vom Meer aus. Ich sitze am Fenster. Irgendwie hatte ich nicht damit gerechnet, dass er so schön wird …

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Dafür ist der Blog von Mokpo geschrieben und ich kann guten Gewissens schlafen gehen. Gute Nacht 😴