Wir wandern durch den Wolchulsan Nationalpark und genießen den grünen Tee in Boseong.

Ihr merkt, wir haben Urlaub. Im Moment klingelt selten der Wecker. Das liegt zum größten Teil am Wetter, denn warum früh aufstehen, wenn die Sonne sich eh Zeit lässt 😉

Wir packen ganz in Ruhe und laufen noch rüber zum Supermarkt, um Verpflegung für den Tag zu kaufen. Zum Start gibt es einen Café Latte und Croissant, später dann Sushi und abends eine bunte Platte mit Wraps, Gimbap und Hühnchen. Ach ja, für Zwischendurch haben wir auch noch 2 süße Teilchen 🙃🙂

Unser erstes Ziel ist der Wolchulsan Nationalpark. Eigentlich wollten wir mal gegen 12 Uhr starten, aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Wir schlüpfen erst über eine Stunde später in unsere Wanderschuhe 🥾

Ich kann gar nicht glauben, dass Mark zu der roten Hängebrücke möchte, die sich da oben, ganz weit oben, fast in den Wolken an den Berg drückt. Das ist nicht wirklich sein Ernst 😧

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Oh doch! Wir entscheiden uns für die Variante Rundwanderweg, der sich nach einem mehr oder minder gemütlichen Spaziergang durch einen jungen Bambuswald an einer kleinen Brücke gabelt 🎍

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Wir biegen also links zum kleinen, beschaulichen Cheonhwangsa Tempel ab und nehmen damit den unbewusst anspruchsvolleren Trail, wie sich noch zeigen wird. Die nächsten rund 900 Meter führen mit 13 Prozent Steigung kontinuierlich bergauf 🙄

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Und zwar nicht über Treppen beziehungsweise nur ein paar wenige sondern größtenteils über felsigem Untergrund, was Trittsicherheit erfordert. Zum Glück lädt der Wald eingerahmt vom rauen Bergpanorama immer wieder zum Innezuhalten ein 🙏 

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Es gibt kurze Momente, da verfluche ich Mark, insbesondere wenn ich auf allen vieren über irgendwelche Felsen klettern muss, um voranzukommen, denn für kurze Beine ist der Weg teils eine echte Herausforderung und wenn ich über den Rückweg nachdenke 😬

Während Mark noch auf die Sommerrodelbahn hofft, sehe mich schon auf dem Allerwertesten den Berg hinunterrutschen. Keine Sorge, ich werde ihm seine Illusion nicht rauben 😂

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Oben angekommen, ist der Weg vergessen, denn die Aussicht auf die dramatischen Bergspitzen von Wolchulsan sowie auf das weiter entfernte Jeollanam-do ist spektakulär und auch die Brücke ist ein besonderes Erlebnis - vorausgesetzt Ihr habt keine Höhenangst ⛰️

Die Gureumdari, die sogenannte Cloud Bridge, ist eine rund 50 Meter lange, auffällige, leuchtend orangefarbene Hängebrücke, die in etwa 120 Meter Höhe zwei Granitfelsen verbindet. Das stählerne Brückenkonstrukt wirkt schon vertrauensvoll, dennoch schwankt sie leicht als wir sie betreten 🫣

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Zudem sind wir nicht allein. Auch bei den Asiaten scheint diese landschaftlich sehr reizvolle Wanderung sehr beliebt zu sein. Sie kommen uns in Scharren entgegen- allerdings erst auf der Brücke selbst, was uns annehmen lässt, dass sie vom Cheonhwangbong kommen.

Der Berg liegt rund 800 Meter über dem Meeresspiegel, die Hängebrücke nur auf knapp 500 Metern - Respekt 😳 Wir verzichten sogar darauf, noch den Wasserfall in Augenschein zu nehmen.

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Der Abstieg ist tatsächlich wesentlich leichter. Der Weg ist zwar im Grunde genommen steiler, aber die Treppenstufen gestalten das Ganze sehr angenehm. Rückblickend also alles richtig gemacht. Stellt Euch mal vor, wir hätten uns für die insgesamt rund 3 Kilometer gegen den Uhrzeigersinn entschieden 😱

Unten angekommen, tauschen wir die Wanderschuhe wieder gegen Flipflops und stärken uns erstmal. Schließlich ist das Sushi von vor gut 3 Stunden schon verdaut 😃

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Eigentlich wollten wir ja noch zur Daehan Dawon Teeplantage. Die älteste und größte Plantage in Korea erstreckt sich terrassenförmig über 56 Hektar und beherbergt über 5  Millionen Teepflanzen 🌱 Da sich der Beginn der Wanderung jedoch so verzögert hat, liegt nun alles im Schatten, so dass sich ein Besuch nicht mehr lohnt. 

Wir begeben uns also direkt zur Sujin Hanok Pension, ein ruhiges Hanok, dass mitten in Boseong, Koreas Hauptanbaugebiet für grünen Tee, liegt 🫖 und lassen den späten Nachmittag und Abend entspannt ausklingen.

Zum ersten Mal seit Wochen brauchen wir mal wieder eine Jacke. Ohne Sonne ist es ganz schön frisch. Vermutlich mit ein Grund, warum das Klima an der Küste besonders gut geeignet für den Anbau von Grüntee ist 👌

Die Nacht haben wir übrigens diesmal wirklich auf dem Boden mit der besagten Ondol verbracht und ganz ehrlich, das Bett und das Futon in den Hanok-Häusern in Andong und Jeonju waren Luxus gegen die Unterlage, die wir jetzt hatten. Das war mehr oder minder nur eine dickere Bettdecke, dafür ganz traditionell 🤔

Die Familie, bei der wir übernachten, baut selbst Tee im Keily Tea Garden an, den wir am nächsten Morgen probieren dürfen. Dazu gibt es gefüllte Reisbällchen mit Noriblättern, Eier, süßes Knoblauchbrot und Weintrauben - unser erstes wirklich koreanisches Frühstück und das um 8:15 Uhr 😊

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Wo bitte geht’s zum Strand? Immer der Nase nach, aber vorher lädt eine Teeplantage zu einem Spaziergang mit malerischen Aussichten ein. Vergessen ist die Daehan Dawon Teeplantage 🙃🙂

Wir genießen es sehr, ganz allein durch diese großflächigen, terrassierten und symmetrisch angelegten Teefelder zu laufen. Wieder einmal zeigt sich, wer Raum für Spontanität lässt und sich Zeit nimmt, entdeckt Ecken, die nicht im Reiseführer stehen 🤫

Keine Ahnung, auf welcher oder wessen Teeplantage wir uns befinden. Wir wissen nur, wir sind in Boseong, der inoffiziellen Hauptstadt des grünen Tees in Südkorea. Rund 40 Prozent der landesweiten Mengen werden hier produziert.

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Die ganze Gegend ist wirklich malerisch mit ihren Hügeln voller Tee und Wald und den beeindruckenden Ausblicken in die Täler, wo oft Reisterrassen Grün und Gelb leuchten oder ein blauer See schimmert 🥰

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Das milde, gemäßigte Klima mit viel Niederschlag schafft optimale Voraussetzungen für den Anbau, der größtenteils noch traditionell per Hand erfolgt. Doch warum wirken die Reihen, als würde der Tee maschinell geerntet 🤔

Wir übersetzen die Infotafeln und erfahren, dass die Erntezeit für die hochwertigen Frühlings- und Frühsommer-Tees wie Ujeon, Sejak und Joongjak von Mitte April bis Juni ist, wobei die erste Pflückung, die sogenannte Ujeon, besonders zarte und hochwertige Blätter hervorbringen 🍃

Nach der Ernte werden die Teesträucher im Herbst, also jetzt, traditionell zurückgeschnitten, damit sie im Frühjahr wieder kräftig Austreiben können - ähnlich wie beim Lavendel. Um die vielen Sträucher effizient und vor allem gleichmäßig zu stutzen werden spezielle Maschinen und Traktoren eingesetzt 🚜

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Mit der Teekrise in den 1980er Jahren entwickelten die Teebauern in Boseong neue, innovative Teesorten. Dazu gehören zum Beispiel Jeongcha, gedämpfter Grüntee sowie Garu-cha, pulverisierter Grüntee, der dem japanischen Matcha ähnelt. 

Apropos Matcha: Wusstet Ihr, dass für Matcha die Teepflanzen 2 bis 4 Wochen vor der Ernte beschattet werden, um den Chlorophyll- und Aminosäuregehalt der Blätter zu steigern? Was für ein Aufwand. Dann werden die Blätter sorgfältig, wie auch für den sonstigen grünen Tee, von Hand gepflückt, direkt gedämpft und getrocknet und schonend zu feinstem Pulver gemahlen, aber ohne Stängel und Rippen - nur so entsteht das typische leuchtend grüne, aromatische Pulver 💚 

Die Koreaner verzichten zum Teil auf die Beschattung und sind auch nicht ganz so wählerisch beim Pulverisieren. Da sind auch schon mal größere Blätter dabei, nicht nur die Spitzen und auch der ein oder andere Stängel. Das Resultat: Der Garu-cha ist etwas herber im Geschmack 🫢

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Dennoch hat diese traditionelle Methode, ähnlich der japanischen Herstellung des Matchas, definitiv etwas Gutes, die spezialisierten Produzenten setzen komplett auf Bio-Qualität. Und das wiederum überträgt sich auf die gesamte Region. Seit 2004 werden viele Felder ohne Pestizide und chemischen Dünger bewirtschaftet. Zum einen um die Umwelt nachhaltig zu schonen und zum anderen um noch hochwertigere grüne Tees mit Bio-Zertifizierung anbieten zu können 👍

Wir entdecken sogar zwei Gottesanbeterinnen. Ja, genau die, die ihre Männchen manchmal nach der Paarung fressen 😂 Besonders auffällig ist ihre betende Haltung. Die räuberischen Insekten sind super nützlich. Sie fressen verschiedene Schädlinge wie Teewanzen, Blattläuse und Raupen und tragen somit auf natürliche Weise zur biologischen Schädlingsbekämpfung auf Teeplantagen bei. Weitere Helfer sind sogenannte Raubfliegen, Libellen und Spinnen.

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Im Café direkt über den Teefeldern probieren wir noch ein Grüntee-Eis und einen puren Matcha sowie ein Matcha-Jelly - Jelly, auch sowas worauf die Koreaner ja echt abfahren 🫨

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Fast 1,5 Stunden verbringen wir in der Teeplantage, was unsere Ankunft an den nahegelegenen Yulpo Strand etwas verzögert. Macht aber nichts, der etwa 1,2 Kilometer lange Sandstrand ist zwar schön, aber zum Leidwesen von Mark ist das Baden in Südkorea ab September verboten und wird mit hohen Geldstrafen oder Gefängnis geahndet 😱

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Wir drehen also nur eine kurze Runde und beschließen direkt auf die Insel Namhae weiterzufahren.