Im Westen von Flores erwarten uns traditionelle Dörfer, eine Destillerie und Reisterrassen in Form von Spinnennetzen.
Der Morgen in Bajawa beginnt mit dem schrecklichsten Frühstück, was wir bisher hatten. Wir hatten es irgendwie erwartet … Egal, sollte der Hunger vorzeitig kommen, wir haben genug Müsliriegel und Kekse dabei 😉

Wir haben schon drauf gewartet, endlich bekommen wir mal eins der wirklich traditionellen Dörfer zu Gesicht. Das Dorf Bena ist ein lebendiges Zeugnis der 1.200 Jahre alten Ngada Kultur. Wir begeben uns quasi auf eine Reise in die Vergangenheit.
Es ist das bekannteste und älteste Dorf der Ngada Kultur und liegt auf einem Bergrücken nahe Bajawa, mit spektakulärem Blick auf den mächtigen Vulkan Inerie, dessen Spitze sich meistens hinter Wolken versteckt 😶🌫️





Die strohgedeckten Holzhäuser von Bena stehen in zwei Reihen, eingerahmt von Steinaltären, Totempfählen und geschnitzten Ahnenfiguren, die das spirituelle Zentrum des Dorfes bilden. Die Ahnen- und Megalithgräber sind wirklich allgegenwärtig. So mitten im Dorf symbolisieren die enge Verbindung zwischen den Lebenden und ihren Vorfahren 😇




Obwohl das Dorf heute über elektrisches Licht, einfache Technik verfügt und einige Strohdächer schon durch Blechdächer ersetzt wurden, bewahren die Bewohner eine Lebensweise, die tief mit der Natur verwoben und geprägt von Traditionen ist. So zeigt zum Beispiel jedes Horn eines Wasserbüffels, wie oft das Haus schon renoviert wurde. Und wenn eine Generation ausstirbt, bleibt das Haus leer 😢




Interessant ist, die rund 360 Bewohner gehören verschiedenen Clans an, einige Familien leben im Dorf, andere in den umliegenden Regionen. Bena ist zudem ein kultureller Versammlungsort, an dem Traditionen, Stammesrituale und Ahnenverehrung lebendig gehalten werden.




Zu wichtigen Zeremonien und Festtagen kehren alle Angehörigen zurück, um gemeinsam ihren sozialen und spirituellen Zusammenhalt zu stärken. Haben sie nicht die Möglichkeit, dabei zu sein, tragen sie dennoch die Kosten und schicken Geld 💰
Die Männer vor Ort sind überwiegend Bauern, die nach alter Tradition Kaffee und Maniok anpflanzen. Die Frauen weben kunstvolle Sarongs und Schals, deren Motive von der Symbolik der Ahnen inspiriert sind.


Nur wenige Kilometer entfernt liegt das kleinere, weniger bekannte Dorf Tololela. Auch hier erzählen die Häuser von Ahnen, Clans und Ritualen. Eingebettet in die Natur sehen wir von oben sehr schön, wie viele Strohdächer mittlerweile durch Blechdächer ersetzt wurden.


Überhaupt ist es super interessant über Land zu fahren. Viele Dörfer haben ihre eigene Kirche, manche zusätzlich eine Moschee. Die Bauweise der Häuser könnte unterschiedlicher nicht sein. Mal einstöckig und ganz aus Holz, mal zweistöckig und gestrichen. Viele haben ein Blechdach - ganz schön laut bei Regen 🤣






Auf halber Strecke zwischen Bajawa und Ruteng liegt Aimere, ein Ort, der auf keiner Karte groß erscheint, aber für etwas ganz Besonderes steht: Moke oder Arak, wie der klare Palmschnaps auch genannt wird. Da Sonntag ist, können wir nur erahnen, wie in der Destillerie gebrannt wird, kosten können wir trotzdem 🤪
In hohen Plastikfässer, die zahlreich im Hof stehen, fermentiert der Palmsaft mit natürlichen Hefen. Dann wird destilliert, einfach, direkt, über offener Flamme. Wir entdecken 5 Feuerstellen mit den Tonbrennöfen. Der fertig gebrannte Arak läuft über Bambusrohre in die Gefäße zum Abfüllen.
Je nach Stärke des Stoffs wird der Prozess 3 bis 5x wiederholt. Der Schnaps ist klar, scharf und stark: 25 bis 50 Prozent Alkohol, je nach Charge. Für die Einheimischen ist Moke mehr als nur ein Getränk.
„Lepeng“ nennen sie auf Flores das Trinken am Vormittag - mit Gästen, Freunden oder auch mal Fremden - und natürlich bei jeder Feier. Wir probieren uns durch von 30 bis 50 Volumenprozent, mal pur, mal mit Zimt oder Nelken und Palmzucker gemischt. Schmeckt auf jeden Fall besser als der Arak auf Bali, sehr mild und leicht süßlich 👌
Aber Achtung: Finger weg von trübem Moke oder billigem „Plosan”. Der kann gefährlich sein ⚠️ Hier gilt: Nur direkt vom Brenner!






Mittags hat Noly einen Tisch reserviert. Er kennt sich gut aus und weiß, dass die guten Warungs auf der Strecke schnell ausgebucht sind, insbesondere in der Hauptsaison. Da der Strom gerade ausgefallen ist, gibt es keine frischen Säfte. Wie gut, dass die Guacamole kalt ist und das Gado Gado, Gemüse mit Erdnusssauce, sowie die Kartoffeln über offenen Feuer gekocht beziehungsweise gebraten werden 🙏



Den Rana Mese, einen fast runder Kratersee, der mitten im geschützten Regenwald, auf etwa 1.200 Metern Höhe liegt, sehen wir vor lauter Wolken leider nicht ☁️ So ist das, alles lässt sich nicht bis ins Details planen. Bleibt mehr Zeit für ein Nickerchen.
Es gibt nicht viel, aber darum beneidet mich Mark immer ein wenig. Egal, ob huppelige Straßen mit vielen Kurven, ich kann überall schlafen 😴 Keine Ahnung, was meine Eltern mit mir als Baby angestellt haben. Zu viele Autofahrten, so viel Geschaukel im Kinderwagen 🤔 Auf jeden Fall habe ich das von meinem Papa.


Tatsächlich erreichen wir Ruteng mal etwas früher und können uns noch ein wenig die Beine vertreten. Die auf 1.200 Metern Höhe gelegene Stadt ist von Hügeln, Kaffeeplantagen und Reisterrassen umgeben. Zudem wird sie die Stadt der 1.000 Kirchen genannt - eine teilweise schöner als die andere. Es gibt sogar 2 Kathedralen, weil der Platz für die etwa 35.000 Menschen sonst nicht ausreicht 🫢






Ruteng lädt wie die bisherigen Städte nicht wirklich zum Flanieren ein. Wir holen uns nur schnell eine Cola und eine Limo mit Litschi im Supermarkt. Beim letzten Stopp gab es Stromausfall 🫣 Dann genießen wir einen Drink auf unserer Terrasse. Das Spring Hill Hotel ist wirklich schön.



Das Abendessen lässt uns auf besseres Frühstück hoffen. Die frittierten Auberginen und die Sauce dazu sind der Hammer. Auch das Beef mit Bohnen und das Hühnchen Süß-Sauer sind richtig gut.




Mark macht noch den letzten Beitrag für den Blog fertig. Ich nutze die gute Internetverbindung und schaue einen Film - ab und zu brauche ich das 🍿
Die letzte Etappe unserer Landpartie liegt vor uns. Mit einem guten Frühstück im Bauch starten wir in Richtung Labuan Bajo, dem Hotspot für Touristen auf Flores 🇮🇩 Nur von dort geht es in den sagenumwobene Komodo Nationalpark, der Heimat von Waranen und traumhaften Inseln.
Bevor es aber soweit ist, besuchen wir Ruteng Pu’u, ein weiteres kleines, traditionelles Dorf mit etwa 200 Einwohnern. Trotz seiner Abgeschiedenheit war es einst das kulturelle und politische Zentrum der Manggarai. Kaum vorstellbar, denn gerade mal 5 oder 6 sogenannte „Mbaru Niang“, runde Häuser mit mehrstöckigen, strohgedeckten, spitzen Dächern, die an Zelte erinnern, gruppieren sich um den zentralen Platz. Dennoch ist diese Bauweise ist so einzigartig, dass Ruteng Pu’u 2012 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde 😲




Der Platz wird übrigens „Compang“ genannt. Dabei handelt es sich um einen kreisrunden, steinernen Altar, der als das Herz der Siedlung gilt. Hier versammeln sich die Bewohner zu Zeremonien, um Opfer darzubringen und in Ritualen ihre Vorfahren zu ehren.
Wir werden zusammen mit einer Gruppe Franzosen mit einer Begrüßungszeremonie willkommen geheißen, in der einer der ranghöchsten Ältesten den Segen der Ahnen erbittet. Obwohl wir den Inhalt der Zeremonie nicht verstehen, entsteht eine Atmosphäre von Respekt und Verbundenheit 🙃🙂




Danach führen uns Siska und Rico, zwei junge Praktikanten von der lokalen Tourismusschule, durch das Dorf. Sie sind super schüchtern. Ihre Erklärungen lesen sie von einem Zettel ab. Egal, jeder hat mal klein angefangen. Hauptsache, wir verstehen, dass die Häuser weit mehr als bloßer Wohnraum sind. Oft leben mehrere Generationen zusammen unter einem Dach. Die Häuser beherbergen Lagerstätten für Vorräte und dienen als soziale und spirituelle Treffpunkte.


Und da ist es wieder passiert: Der Lewotobi Laki-Laki ist ausgebrochen, schon zum 4. Mal in den letzten 5 Monaten 😱 Der berühmte sogenannte Doppelvulkan liegt etwa 90 Kilometer süd-östlich von Maumere. Scheinbar ist der Ausbruch nicht ganz so heftig gewesen, denn nur die Flughäfen Maumere und Bajawa sind geschlossen.
Noly begegnet dem Ganzen mit seiner gewohnten Gelassenheit. Sein einziger Kommentar: „Schlecht für alle Touristen. Wieder müssen wir das Dach putzen.“ 🤭 Was ist nun eigentlich das Besondere am Lewotobi Laki-Laki?
Der Vulkan besteht aus zwei Gipfeln: dem Laki-Laki auf 1.584 Metern Höhe, der Legende nach der Ehemann, und seiner Ehefrau, dem Perempuan auf 1.703 Metern. Das Ehepaar ist nur etwa zwei Kilometer voneinander entfernt, weshalb sie geologisch und kulturell einzigartig auf Flores sind 🌋
Zum anderen ist der Lewotobi Laki-Laki deutlich aktiver als die anderen Vulkane auf Flores. Seit dem 17. Jahrhundert ist er 24x ausgebrochen. Vor 2 Monaten war er besonders unruhig. Mehrere Eruptionen schleuderten Aschewolken von bis zu 5.000 Metern in die Höhe. Dörfer im Umkreis von bis zu acht Kilometern wurden evakuiert, Flüge wurden kurzfristig gestrichen und die höchste Warnstufe gilt nach wie vor 🤫
Wir setzen unsere Reise vor. Wir fliegen erst in 3 Tagen zurück. Wie wahrscheinlich ist es, dass es in dieser kurzen Zeit nochmals passiert? Unwahrscheinlich! Wir passieren weitere Dörfer, erfreuen uns an noch mehr Häusern und bewundern die Unberührtheit der Natur.






Kurze Zeit später halten wir an einem Ort, der das Verhältnis von Mensch, Natur und Gemeinschaft in ein ganz besonderes Muster fasst: die Spider Web Rice Fields von Rai. Was von oben aussieht wie ein riesiges Spinnennetz, ist das traditionelle „Lingko“-System der Manggarai. In konzentrischen Kreisen und radialen Linien symbolisieren die Felder die soziale Struktur eines Dorfes: Jeder Clan besitzt ein Spinnennetz oder eine Pizza, wie Ihr mögt 😂




Jede Familie wiederum erhält ein Stück des Zentrums, dessen Größe sich nach seiner Bedeutung richtet. Die Alten bekommen das größte Stück vom Kuchen, die Jungen ein Kleineres. So entstehen gleichmäßige, gerechte Anteile - quasi Landwirtschaft als Ausdruck von Kosmologie und Zusammenhalt 😊
In Rai, etwas abseits der Hauptstraße gibt es einen Pfad zu den Aussichtspunkten. Dieser führt vorbei an Kaffee, Maniok und Ananas. Alles wächst gefühlt wild, gehört aber der Familie, die auch den Eintritt kassiert. Kleiner Tipp: Einen Guide braucht Ihr für den Weg nicht. Es ist nicht möglich, sich zu verlaufen 🤣






Der Blick von oben ist perfekt. Wir verweilen einen Moment und stellen uns vor, wie es wäre, wenn sich alle gesellschaftlichen Fragen so klar aufteilen ließen wie diese Geometrie der Gerechtigkeit.
Nochmal zurück zum Kaffee: Interessanterweise wachsen die Kaffeesorten Robusta und Arabica im Hochland von Flores oft nebeneinander. Unterscheiden lassen sie sich an der Größe der Blätter und Kaffeebohnen. Robusta hat die größeren Blätter und kleineren Bohnen, bei Arabica ist es genau andersrum ☕️
Irgendwann ist Zeit fürs letzte Mittagessen. Das Warung liegt wunderschön eingebettet in die Natur direkt neben einem Wasserfall. Es grenzt wirklich an ein Wunder, wie diese Häuser gebaut sind, aber Hauptsache sie halten Wind und Wetter sowie dem ein oder anderen Erdbeben und Vulkanausbruch stand 🙏



Wir befinden uns auf der Zielgeraden: Endlich, nach über 500 Kilometern verlassen wir die Berge und erreichen am Nachmittag das Bintang Flores Hotel in Labuan Bajo. Unsere erste Amtshandlung, eine Runde im Pool drehen und dann einen Drink genießen 😌 Sorry, das war natürlich die 2.
Zuerst verabschieden wir Noly, der super souverän gefahren ist. Wir drücken ihm die Daumen, dass er seine Rückreise noch antreten kann. Denn scheinbar gibt es gerade kein Benzin. Schon in Ruteng und auf dem Weg haben wir an vielen Tankstellen extrem lange Schlangen stehen sehen - Ausgang ungewiss ⛽️
Das Bintang Flores Hotel liegt etwas außerhalb des Zentrums, dafür direkt am Meer. Baden ist aufgrund der Korallen leider nur bei Flut möglich. Nicht schlimm, wir lauschen einfach dem Tuckern der Boote und schauen vom Pool aus zu, wie die Sonne im Meer versinkt ☀️




Um 19 Uhr werden wir abgeholt. Ja, wir lassen es mal krachen. Nein, nicht wirklich … Wir gehen einfach nur was Essen. Das Restaurant Alma ist mit 4,8 auf Google bewertet und bietet einen Hol- und Bringservice an - super praktisch 👍
Da ich Mark überredet habe, lade ich ihn ein auf Thunfisch Tatar, gegrillten Oktopus, jetzt lacht bitte nicht, Albondigas. Mark liebt diese Fleischbällchen mit Kartoffel-Kürbis-Püree. Natürlich gibt es auch einen Cocktail für jeden und Dessert 🥰






Wir bekommen nicht viel mit von Labuan Bajo, aber allein die Fahrt mit dem Taxi zeigt, der Kontrast könnte kaum größer sein. An der Westspitze von Flores pulsiert das Leben 🥳
Die Stadt ist jung, laut und voller Energie. In den Reisebüros werden Touren zu den Komodoinseln angeboten. Kein Wunder, dass die rund 40.000 Menschen vom Meer und vom Tourismus leben.
Für uns ist Labuan Bajo kein Ort zum Verweilen, sondern ein Zwischenstopp für unser nächstes Abenteuer: eine 2-tägige Bootstour in eine Inselwelt voller Drachen, Korallen und endloser Horizonte.