Juhuuu … Wir machen eine Husky Schlittenfahrt und wandern durch den Riisitunturi Nationalpark.
7:55 Uhr: Raus aus den Federn, die Huskys warten auf uns. Denn was wäre ein Winter in Lappland ohne eine Hundeschlittenfahrt?
Wir fahren ins Lammintupa Winter Village. Dort begrüßen uns die Huskys mit lautem Gebell. Sie sind wie wir voller Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer 🙃🙂



Nach einer kurzen Einweisung geht es direkt los, wozu die Hunde länger warten lassen. Jetzt heißt es Gleichgewicht halten und nicht vom Schlitten fallen. Das Gespann zieht mit voller Kraft an 🐕
Schlagartig ist Ruhe und die Huskys konzentrieren sich voll und ganz auf ihre Aufgaben. Die beiden Lead Dogs übernehmen die Navigation. Die Swing Dogs unterstützen in den Kurven und bei Richtungswechseln, während die Wheel Dogs für die Stabilisierung des Schlittens sorgen 🛷
Diese Leidenschaft und Kraft hautnah zu erleben, ist faszinierend. Überlegt mal, was 6 Huskys gerade an Gewicht stemmen: 2 Menschen und einen Hundeschlitten. Das ist wirklich beeindruckend 😲
Mit Geschwindigkeiten von bis zu 20 km/h rasen wir durch die verschneite Landschaft, während uns die klare, kalte Luft ins Gesicht weht - ein atemberaubendes Erlebnis 😊


Die Stille wird nur vom Knirschen der Kufen im Schnee und dem Hecheln der Huskys unterbrochen. Ab und an fressen sie Schnee, um ihren Durst zu stillen, wie uns die Musher, die sogenannten Hundeschlittenfahrer, hinterher erklären und ihr Geschäft verrichten sie auch im Laufen, bloß nicht anhalten 🫣
Übrigens ist das Ganze keine Spazierfahrt. Obwohl die Huskys den Weg kennen, ist das Lenken eines Hundeschlittens anspruchsvoller, als Ihr vielleicht denkt. Die wichtigste Aufgabe des Mushers ist es, die Geschwindigkeit zu kontrollieren und für die Sicherheit aller zu sorgen 👍



Die Bremse befindet sich auf Fußhöhe zwischen den Kufen und je stärker Ihr sie drückt, desto mehr Widerstand übt sie auf die Hunde aus. Das richtige Timing insbesondere vor Kurven oder bei Abfahrten ist entscheidend 🙏
Denn zu starkes Bremsen frustriert die Hunde, während zu wenig zu gefährlichen Situationen führen kann, wie zum Beispiel, dass der Schlitten die Hunde überholt oder seitlich ausbricht.
Mark macht das ganz wunderbar. Nach der Hälfte der Strecke wechseln wir und auch ich schlage mich nicht schlecht ☺️




Der ganze Spaß ist viel zu schnell vorbei. Wir waren 10 Kilometer und gerade mal eine knappe Stunde unterwegs. Zurück am Ausgangspunkt bekommen die Huskys erst mal ein paar Streicheleinheiten von uns sowie ausreichend Wasser zur Rehydrierung. Später gibt es noch eine fett- und proteinreiche Mahlzeit, um die Energiereserven aufzufüllen 🥩




Übrigens waren es Hündinnen, die uns angeführt haben. Sie lernen interessanterweise oft schneller und konzentrierter als Rüden, was sie zu besonders zuverlässigen Schlittenhunden macht 👌
Die Ausbildung der Huskys erfordert viel Zeit und Geduld. Zunächst gewöhnen sich die Hunde mit knapp einem Jahr nach und nach an den Bauchgurt.
Frühestens mit 2 Jahren, wenn das Skelett vollständig ausgereift ist, beginnen sie regelmäßig einen Schlitten zu ziehen. Ob und wann sie dann ihr erstes Rennen bestreiten oder Touristen durch die Landschaft ziehen, hängt ganz von ihrer Lernbereitschaft ab 🤔
Entscheidend ist, dass die Musher immer darauf achten, die Hunde nicht zu überfordern, um ihre natürliche Begeisterung für das Ziehen zu bewahren.
Und was machen Huskys im Sommer? Ganz klar, eine wohlverdiente Pause. Da ruhen sie sich aus, spielen oder nehmen zum Ausgleich an sogenannten Husky Hikes teil - geführten Wanderungen, ähnlich wie mit Alpakas 😂
Zur Tour gehört noch eine kleine Stärkung - quasi unser Frühstück. Endlich kommen wir auch mal in den Genuss, frische, vorgekochte Würste über dem Feuer zu rösten 🔥



Zusammen mit einem Stück Blaubeerkuchen genau die richtige Grundlage für die nächste Wanderung. Was sind wir nur wieder für Glückskinder. Anstatt Grau, Grau, Grau ist der Himmel Blau, Blau, Blau 🍀
Auf geht’s in den Riisitunturi Nationalpark, der bekannt für seine einzigartige Fjell Landschaft ist. Ihr erinnert Euch? Der Begriff Fjell beschreibt baumlose Hochebenen. Entlang des rund 4,5 Kilometer langen Riisin Rääpäsy Trail erheben sie sich auf bis zu 500 Metern 🏔️


Auch dieser Weg ist gut markiert. Der Legende nach bewegen wir uns auf den Spuren eines alten Mannes, der in den Wäldern umherirrte und sich von den Geistern des Waldes inspirieren ließ.




Zu Beginn wandern wir durch verschneite Wälder, die sich nach und nach lichten je näher wir dem Fjell Riisitunturi kommen. Besonders beeindruckend sind die offenen, schneebedeckten Moore, die sich an den Hängen des Fjells bilden – ein weltweit seltenes Phänomen 🥰



Kein Wunder, dass wir einen guten halben Meter im Schnee versinken, so bald wir den ausgetreten Pfad verlassen. Doch nur so lassen sich die besonderen Baumformen des Riisitunturi Nationalparks nun mal am besten fotografieren 🤭




Die sogenannten Tykkys, Bäume, die wie Skulpturen aussehen, entstehen durch die Kombination aus feuchten Schnee und Frost. Bis zu 50 Kilogramm Schnee tragen sie, ohne das die Äste brechen. Ein Naturschauspiel, das nur in besonders kalten Regionen vorkommt 🥶


So ganz trotzen sie dem Last dann aber doch nicht. Viele Fichten haben ihre Spitzen verloren. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist „Tapios Tisch“, eine breite Fichte ohne Spitze, die in der finnischen Mythologie als Opferstätte für Tapio, den Waldkönig, gilt.
Wie schon gesagt, im Januar und Februar ist das Bild ein ganz anderes. Durch die Sonne schmilzt der Schnee und lässt einige Bäume wie abgestorben wirken - ganz ohne Nadeln oder Blätter, weitestgehend kahl 😱




Doch das bleibt so nicht. Noch ein paar warmen Wochen treiben sie neu aus und verwandeln sich. Ähnlich wie die Platanen am Main. Beides faszinierende Beispiele für die Anpassungsfähigkeit der Natur an extreme Bedingungen 🌱
Auf 465 Metern Höhe überqueren wir den Pikku Riisitunturi und genießen den Ausblick auf den umliegenden Hügel Nuolivaara sowie die gefrorenen Seen in der Ferne. Eine ganz andere Landschaft als bisher - einfach nur schön 😌





Wir genießen voraussichtlich ein letztes Mal die Sonne und diese unberührte Schneelandschaft, denn der Frühling löst den Winter langsam aber stetig ab. Die Temperaturen steigen auf +5 Grad Celsius, d.h. es kommt eher Regen als Schnee 🌧️




Für uns war die Woche genau die Richtige. Denn bei -10 Grad Celsius oder gar noch kälteren Temperaturen hätten wir bei weitem nicht so viel unternommen.
Wir schließen die Wanderung mit einem heißen Kakao sowie einem Stück Mango Cheesecake im kleinen Café direkt am Parkplatz ab. Kleiner Tipp: Setzt Euch bei Sonnenschein raus, denn unsere Klamotten stinken nach kürzester Zeit mächtig nach Rauch 😬



Es gibt wirklich viele coole Häuschen in Lappland. Das ein oder andere täte uns schon gefallen. Zurück in unserer Unterkunft lüften wir erstmal unsere Klamotten und schmeißen die Sauna an. Was gibt es Schöneres, als sich nach einem Tag draußen in der Kälte bei ein, zwei, drei Aufgüssen aufzuwärmen? Diese gehört bei den Finnen übrigens zur Grundausstattung ebenso wie die Grillhütte 😃




In diesem Sinne wünschen wir Euch einen entspannten Abend. Stay tuned 😉