Auf dem Weg von Rovaniemi nach Ruka erkunden wir den berühmten Koronjää Trail.
Packen ist angesagt, denn wir verlassen das Lapin Paradise und machen uns auf dem Weg nach Ruka. Gut 2,5 Stunden Fahrt durch herrliche, meist unberührte Winterlandschaft liegen vor uns 🙃🙂




Kilometerlange Wälder aus Birken, Kiefern und Fichten 🌲 säumen den Wegesrand, schneebedeckte Fjells und vereiste Flüsse prägten die Landschaft.


Übrigens Fjells, auch als Tunturis bekannt, sind runde, abgeflachte 400 bis 800 Meter hohe Berge, die typisch für Lappland sind. Sie sind Überreste eines Gebirges, welches vor zwei Milliarden Jahren durch die Gletschermassen der Eiszeiten abgeschliffen wurde ❄️
Ab und zu tauchen typisch rote und blaue Häuser auf. Kaum ein Auto kommt uns entgegen. Ein klares Zeichen für die geringe Besiedlung Lapplands mit lediglich 2 Einwohnern pro Quadratkilometer.




Nach gut 1,5 Stunden erreichen wir den Koronjää Trail, der uns in und durch die etwa 30 Kilometer lange Korouoma Schlucht führt. Nein, wir laufen nicht durch die komplette Schlucht, wir sind doch nicht lebensmüde 😉




Der rund 5 Kilometer lange Koronjää Trail folgt einem alten Pferdeweg, der früher von Holzfällern genutzt wurde, um Holz mit Pferdeschlitten zu transportieren.
Kaum vorstellbar, denn wie wir mussten auch sie die teilweise recht steilen und im Winter vereisten Passagen meistern. Wir haben tatsächlich überlegt, Spikes auszuleihen, doch der Verleih öffnet erst um 12 Uhr. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt 🙈
Das erste steile Stück ist geschafft. Okay, so muss es sich anfühlen, auf rohen Eier zu laufen … Weiter geht’s auf ebenerer Strecke. Meter um Meter stapfen wir durch den verschneiten Wald, vorbei an knorrigen Bäumen, die teilweise mit einem Hut aus Eis bedeckt sind - ein sehr skurriles Bild 😃






Die Sonne bahnt sich ihren Weg durch die meterhohen Kiefern und verwandelt den Schnee in eine glitzernden Oberfläche ☀️
Wir genießen die klare, frische Luft und die Stille, die nur vom Knirschen unserer Schritte im Schnee unterbrochen wird. Wir begegnen kaum anderen Wanderern 🥾



Plötzlich werden wir von einem lauten Dröhnen überrascht. Mark sagt sofort, das muss ein Kampfjet sein. Er hatte morgens schon einen gehört und gesehen ✈️
Tatsächlich! Er dreht 2 bis 3 Runden - und das gar nicht mal soweit weg und auch ganz schön tief. Ein komischen Gefühl, zumal auch noch jemand mit einem Fallschirm abspringt … Habe ich Euch schon erzählt, dass Russland gar nicht so weit entfernt ist 😬
Keine Ahnung, ob wer provozieren wollte, oder jemand signalisieren möchte, bis hierhin und nicht weiter. Auf jeden Fall erinnert uns dieser Moment daran, wie nah wir uns an der geopolitischen Grenze befinden. Der Vorfall ist schnell vorbei, dennoch sorgte er für einen kurzen Moment der Unsicherheit. Wie gut, dass Finnland mittlerweile Teil der NATO ist 🙏
Unser Ziel ist die Korouoma Schlucht mit ihren gefrorenen Wasserfällen, dafür müssen wir noch ein wenig bergab. Bis auf einige kleine Rutschpartien meistern wir das auch ohne Spikes 👌




Doch dann passiert es … Kurz vor dem ersten Wasserfall rutsche ich ein gutes Stück des Weges kurzerhand auf meinem Bobbes hinunter. Ich amüsiere mich prächtig. Leider war Mark nicht schnell genug, um das Ganze mit dem Handy festzuhalten 🤣
In diesem Moment frage ich mich, wie es die Holzfäller wohl geschafft haben, diese steilen Passagen zu bewältigen. Schließlich hatten sie mit Holz beladene Pferdeschlitten dabei 🤔
Die Antwort kennt eine der zahlreichen Informationstafeln entlang des Trails: Mithilfe von Seilen und speziell angepassten Kufen gelang es den Holzfällern, die Pferde sicher durch die gefährlichen Abschnitte zu führen. Respekt, was die Menschen damals auf sich genommen haben 🫡
Wow 😲 was für eine imposante Landschaft. Plötzlich taucht eine mächtige Felswand vor uns auf und schon bald auch der erste gefrorene Wasserfall. Meterhohe Eiszapfen hängen wie erstarrte Kunstwerke von den Klippen herab.
Mit etwa 20 Metern Höhe beeindruckt der Jaska Jokunen, auch Charlie Brown genannt, durch seine braunen Eiszapfen 🧊 Eine Besonderheit, die durch mineralhaltiges Wasser entsteht - ungewöhnlich und faszinierend zugleich.






Der Koronjää Trail schlängelt sich in der Schlucht entlang des Flusses und eröffnet uns immer wieder neue Perspektiven auf die beeindruckende Canyonlandschaft und ihre eisige Pracht 🥶
Kurze Zeit später erreichen wir den Mammutti oder Mammoth Fall, den mit 50 Metern zweitgrößten Wasserfall der Schlucht. Er erinnert mit viel Fantasie an ein Mammut 🦣 oder ist das vielleicht nur auf die Größe bezogen. Egal, wir halten inne, staunen über die schiere Kraft der Natur und fiebern mit dem Eiskletterer mit, der sich gerade abseilt 🫣



Wenig später sehen wir einen weiteren Verrückten, der sich an der vereisten Wand des Ruskea Virta, dem sogenannte Brown River, versucht. Auf 60 Metern Höhe hängt das Eis wie ein glitzernder Vorhang von den Klippen. Ausgestattet mit Steigeisen und Eispickeln erklimmt er die Eisflächen mit beeindruckender Präzision - ein magischer Anblick, der uns den Atem raubt 🫢



Hätte uns das mal jemand vorher gesagt, dann hätten wir ein paar Würstchen oder Steaks eingepackt 😂 Tatsächlich gibt auf dem Trail mehrere offene Feuerstellen, um sich aufzuwärmen und/oder zu stärken.



Unser Frühstück wartet am Auto. Auf geht’s und jetzt bloß nicht ausrutschen, sonst beginnt der Aufstieg von Neuem 🤪 Am besten haltet ihr Ausschau nach einem Pfad links hinter der Brücke. Dieser führt auch zum Parkplatz und ist nicht ganz so steil.
Wir können uns gar nicht satt sehen an dieser wunderbaren, größtenteils einsamen Winterlandschaft und natürlich darf auch ein Schneeengel zum Abschied nicht fehlen 🥰




Zurück am Parkplatz stärken wir uns mit einem wohlverdienten Frühstück 🛖 Wir probieren erst mal die Karjalanpiirakka, die karelische Piroggen. Wirklich vom Hocker reißen uns die Teigtaschen aus Roggenmehl gefüllt mit Milchreis nicht. Sie sind weder süß noch salzig. Hmm … Da muss wohl irgendwas dazu. Dafür ist der Rest lecker 😋


Knapp 2,5 Stunden waren wir unterwegs, jetzt wartet unsere nächste Unterkunft auf uns - das langersehnte Haus am See ☺️ Bis Ruka sind es noch gute 100 Kilometer. Das Wintersportzentrum liegt am 493 Meter hohen Fjell Rukatunturi. Die nächst größere Stadt ist Kuusamo.
Wir bleiben 5 Tage, d.h. es lohnt sich die Koffer auszupacken. Wir inspizieren kurz das Haus, bevor wir noch eine Runde über den See drehen. Ja, Ihr lest richtig. Wir laufen nicht am Rukajärvi entlang, sondern folgen den Spuren eines Schneemobils, die über den See führen ⛄️




Diese Weite, einfach herrlich und dazu diese Stille - unvorstellbar. Aber Moment, warum sitzt da einer mitten auf dem See? Angelt er oder genießt er nur die winterliche Schönheit der Natur?



Tatsächlich angelt er 🎣 Pilkki, auf Deutsch Eisfischen, ist ein sehr beliebtes Hobby der Finnen. Sie bohren ein Loch ins Eis und warten darauf, dass ein Barsch, eine Felche oder Maräne, ein Hecht, eine Äsche oder eine Forelle anbeißen.




So langsam neigt sich der Tag dem Ende zu und unser Magen macht sich bemerkbar. Wie gut, dass wir vorbereitet sind. Es gibt Kiusaus, finnischen Kartoffelauflauf mit Rentier und Lauchgemüse, dazu Salat mit Avocadodressing und den restlichen Rotwein 🍷
Während wir essen, heizt die Sauna auf. Das ist wirklich was Feines bei der Kälte. Nach jeder Runde ab in den Schnee, das fördert die Durchblutung. Wir schwitzen 3 Runden 😰 und dann nichts wie ab aufs Sofa.
Ehrlich gesagt weiß ich gerade nicht, ob ich mich nochmals aufraffen könnte … Zum Glück muss ich es auch nicht, denn Lady Aurora gönnt sich eine kleine Pause 🙏