Wānaka verbindet spektakulären Seen, alpine Wanderwege, duftende Lavendelfelder und kulinarische Vielfalt wie kaum ein anderer Ort auf der Südinsel.
Nach den intensiven Tagen rund um den Lake Tekapo und dem Mount Cook verabschieden wir uns von den Southern Alps und brechen in Richtung Wānaka auf.Vor uns liegt eine längere Fahrt, doch die 200 Kilometer gehören zu denen, wo der Weg mindestens genauso viel zählt wie das Ziel. Schon kurz nach dem Start öffnet sich die Landschaft. Die Berge treten etwas in den Hintergrund und machen Platz für weite Täler. Unser erster Stopp ist der High Country Salmon Shop bei Twizel, eine der höchstgelegenen Lachsfarmen Neuseelands 🙃🙂


Die Lachse leben im eiskalten Schmelzwasser der umliegenden Gletscher und wachsen aufgrund der niedrigen Temperaturen langsamer, was das Fleisch besonders fest, mild und fein macht. Zudem arbeitet die Farm nachhaltig, mit geringer Besatzdichte und ohne Antibiotika 👌
Ob wir den Unterschied schmecken? Wir probieren das Sushi und die Egg Benedicts mit frischem sowie einen Spieß mit gebratenem Lachs. Ja, das ist eine ganz andere Qualität. Spontan nehmen wir noch 2 Packungen fürs Abendessen in den nächsten Tagen mit 🍣


Gestärkt geht’s weiter Richtung Clay Cliffs bei Omarama. Bis zu 30 Meter hohe Lehmklippen, die sich durch Ablagerungen, tektonische Hebungen und Erosionen über rund eine Million Jahre geformt haben 😲
Leider bekommen wir sie nicht zu Gesicht. Unser Ausflug endet nach etwa einem Kilometer: Die Gravel Road ist mit unserem Camper keine gute Idee ist, zumindest nicht über eine solche Strecke. Schade, aber auch das gehört dazu 😐
Dafür legen wir am Lindis Pass Summit Lookout eine Pause ein. Auf knapp 1.000 Metern Höhe breitet sich die typische Landschaft mit Tussockgras aus. Goldgelbe Grasbüschel biegen sich entlang der weiten Hügel im Wind hin und her - ein sehr einprägsames Bild in Neuseeland 🇳🇿





Da der Lavendel bei NZ Alpine Lavender noch nicht blühte, probieren wir es auf der Wānaka Lavender Farm. Doch auch hier stehen erst vereinzelte Büsche in voller Blüte, so dass wir nur ein Eis essen. Ganz ehrlich, das Lavendeleis in Tasmanien war viel, viel intensiver. Da bleiben wir doch lieber beim Real Fruit Ice, was es in vielen Orten gibt 😉





Am Nachmittag erreichen wir Wānaka und checken im Hampshire Holiday Parks ein. Der Campingplatz ist gut ausgestattet und die Sonne lädt dazu ein, ein letztes Mal zu waschen 🧼
Erwartet bitte kein Wunder bei stark verschmutzter Wäsche oder Flecken, auf den Campingplätzen dürft Ihr meist nur „Cold“ waschen und das Programm dauert keine Stunde. Es geht also mehr ums frische Gefühl 🤣
Während die Waschmaschine läuft, spazieren wir zum Lake Wānaka und fotografieren den "That Wanaka Tree", den Instagram Star, den schon halb Neuseeland gepostet hat und der 2009 sogar "Tree of the Year" wurde. Die Wurzeln der kleinen Weide reichen 3 Meter tief ins Seebett, was sie stur Wellen und Eis aushalten lässt 🌳




Mehr noch erfreuen wir uns am See selbst, bewundern die meterhohen Pappeln, die das Ufer säumen. Mit rund 190 Quadratkilometern und einer Tiefe von bis über 300 Metern zählt der Lake Wānaka zu den 5 größten Seen Neuseelands. Entstanden ist er am Ende der letzten Eiszeit, als gewaltige Gletscher das Tal ausschürften und sich mit Schmelzwasser füllten 😳





Zurück am Camper hängen wir unsere Wäsche auf und genießen die Sonne. Mark beschließt doch noch baden zu gehen. Respekt, der See hat um die 12 Grad 🥶


Abends braten wir den frischen Lachs mit Brokkoli in Teriyakisauce. Was für ein Geschmackserlebnis, ganz anders als der aus dem Supermarkt, viel zarter und milder. Und wie Ihr sehen könnt, scheint immer noch die Sonne, so dass wir seit langem mal wieder gemütlich draußen sitzen - natürlich mit unserem Weihnachtsbäumchen, schließlich steht der 3. Advent vor der Tür 🎄


Die Nächte bleiben kalt, so dass das Aufstehen immer eine kleine Herausforderung ist. Zum Glück startet unsere Bootstour zum Arethusa Pool erst um 10 Uhr. Es bleibt also Zeit für einen Kaffee. Ich schmiere uns noch Brote, denn Frühstück gibt es später am See 🍞
Wir parken unserem Camper in der Nähe der Marina und begeben uns mit Skipper Hannah auf Tour. Wir vermuten, sie kommt aus Deutschland. Sie erzählt uns ein wenig über die Gegend, unter anderem dass es in Wānaka nur einen halben Meter Regen im ganzen Jahr gibt. Laut Wettervorhersage erwartet der uns morgen ☔️
Schon kurz nach dem Ablegen gleiten wir an Ruby Island vorbei. Diese kleine Insel war früher ein geheimer 90er Rave Spot, getarnt als „Tea Parties“. Jetzt dient sie als Wildlife Refuge zum Schutz der Vögel.


Weiter geht es entlang der abgelegenen Uferlinie der Mount Burke Station. Diese 22.000 Hektar große High Country Farm hat von 1905 bis 1970 Hirsche und Gämsen per Helikopter ausgesetzt, um die Jagdwirtschaft anzukurbeln. Inzwischen wird dort aber zum Glück für die Tiere nachhaltig gewirtschaftet 🦌
Je weiter wir uns von Wānaka entfernen, desto unruhiger wird der See, die Berge rücken näher, das Wasser wirkt fast schwarz vor Tiefe und Klarheit. Unser Ziel ist Mou Waho Island, eine abgelegene Insel.
Dank moderner Fallen und Kameras ist sie komplett frei von eingeschleppten Raubtieren wie Ratten und dient somit als geschützter Lebensraum für heimische Vogelarten wie das seltene neuseeländische Sumpfhuhn Takahe und den melodischen Bellbird. Endlich bekommen wir den kleinen Nektarfresser mit seinem olivgrünem Gefieder zu Gesicht. Sein klarer, glockenähnlicher Gesang hat uns ja schon mehrfach verzaubert 🎶






Auch die Flora auf Mou Waho fasziniert uns. Neben üppigen Farnen, die den Boden in ein grünes Dickicht verwandeln, sehen wir zum ersten Mal schwarzen Manuka, dessen Stämme wie verbrannt wirken. Tatsächlich ist das ein genetisches Merkmal, das Insekten abwehrt und den Honig besonders aromatisch macht. 🧐





Das Besondere der Insel zeigt sich nach einem kurzen Aufstieg. Von oben blicken wir auf den oft spiegelglatten und windgeschützten Arethusa Pool, ein Süßwassersee, der ausschließlich durch Regen- und Grundwasser gespeist wird. Das Witzige, auch in diesem See gibt es eine Insel 🏝️
Stellt Euch das mal vor: Eine Insel in einem See, auf einer Insel in einem See und das Ganze auf einer Insel im Meer, der Südinsel von Neuseeland. Klingt fast ein bisschen verrückt, oder?




Wie immer ist die Zeit bei solchen Touren begrenzt. Wir frühstücken noch schnell, bevor wir einen Blick auf den Lake Wānaka und die Berge von der anderen Seite der Insel werfen. Der Weg ist in maps.me zwar nicht eingezeichnet, aber Hannah hat uns den Tipp gegeben.





Mit einem kurzen Abstecher zum Arethusa Pool kehren wir zum Boot zurück. Eine halbe Stunde länger wäre echt gut gewesen. Denn dieses neuseeländische Sumpfhuhn Takahe hätten wir neben den süßen Bellbirds und einem Weka schon gerne mal gesehen ☺️




Zurück in Wanaka holen wir uns ein Eis bei Patagonia und drehen eine kurze Runde durchs Zentrum. Wir schauen bei dem einen oder anderen Restaurant auf die Karte, machen schon mal den Friseur ausfindig und entdecken einen Fotogeschäft, was zufällig ein passendes, gebrauchtes Teleobjektiv hat. Unseres hat es leider die Tage im Camper entschärft. Warum auch immer hatten wir es nicht sicher verstaut 🫣
Danach steht Bewegung auf dem Plan: Den Roys Peak lassen wir links liegen. 7 Kilometer und 1.230 Höhenmeter sind uns zu viel, uns ist nach etwas gemütlicherem. Leider ist die Straße zum Rob Roy Glacier für unseren Camper tabu. Die Aussicht soll ebenfalls spektakulär sein 😇
Wir bevorzugen den Diamond Lake Track. Dieser führt zunächst zu einem kleinen, eiszeitlichen See und dann weiter hinauf zum Wanaka Viewpoint. Von oben liegt die gesamte Seenlandschaft vor uns: Lake Wanaka und Lake Hawea eingerahmt von den umliegenden Berge ⛰️








Wer mag, kann noch zum Rock Summit hoch oder eine Runde um den See drehen. Wir bleiben beim klassischen Abstecher, knapp 5 Kilometer und gute 230 Höhenmeter hin und zurück sind genug Bewegung für den 3. Advent, zumal wieder Treppenstufen dabei sind 🥾


Unterwegs begegnen uns Fächerschwänze, die wahre Kunststücke vollführen, um ihre Beute zu erwischen, wobei ihr Schwanz als Steuerhilfe dient. Auch ein Buchfink schaut vorbei und hofft auf Brot- oder Kekskrümel. Tatsächlich ist er seit 1865 in Neuseeland heimisch. Damals wurde er aus Großbritannien eingeführt und gehört mittlerweile zu denhäufigsten Singvögeln auf der Nord- und Südinsel.


Zurück auf dem Campingplatz grillt Mark lecker Gemüse und Lammbratwürste - im kurzem Hemd vollgemerkt. Mal schauen, ob das vorerst einer der letzten Abende mit Sonne war. Der Wetterbericht verspricht Regen und kündigt für Queenstown sogar Schnee an 😬
Wie gut, dass wir für 6 Personen ausgestattet sind. Sollten alle Stricke reißen, haben wir 3 dicke Bettdecken und zusätzlich noch 3 Kuscheldecken. Wenn wir nicht gerade auf einem Freedom Camping stehen, wärmt uns auch die Standheizung 🔥




Am Vormittag bahnt sich die Sonne noch ab und an einen Weg durch die Wolken, so dass wir wiedererwartend draußen frühstücken. Um 14 Uhr hat Mark einen Friseurtermin und ich genieße derzeit einen Matcha Latte im Café Crumble 💚
Diese vielen, kleinen Cafés sind einfach zum Verlieben. Ganz ehrlich, das könnte ich mir auch gut vorstellen. Ich war ja schon drauf und dran, den jetzt mittlerweile regnerischen Tag zu nutzen und ganz klassische Weihnachtskekse zu backen, aber der Blog geht vor 🤪
Wir tun Eileen noch einen Gefallen und sammeln ihre AirPods ein, schließlich weiß ich ja selbst, wie das ist, wenn sie irgendwo liegenbleiben. Im Gegensatz zu Südkorea war die Post in Neuseeland nicht schnell genug, warum sie sie eigentlich schon abgeschrieben hat.
Den Abend verbringen wir im The Stoaker Room Wanaka, einem sehr gemütlichen Restaurants etwas außerhalb der Stadt. Wir bestellen die Sharing Plate mit den dazu passenden Weinen von Wild Earth. Wow, so gut haben wir lange nicht mehr gegessen ☺️
Wir starten mit Wild auf gegrilltem Gemüse und gehen über zu Ziegen- und Rinderragout mit Polenta. Dazu gibt es jeweils einen Pinot Noir. Danach folgen Entenbrust auf Bratkartoffeln mit Aioli sowie ein Riesling und Schweinelende auf Salat zum Grauburgunder 🙃
Den Abschluss bilden Lachsflossen mit Krautsalat und einem Rosé. Der schmeckt uns so gut, dass wir glatt eine Flasche mitnehmen. Im Grunde haben alle Weine gemundet, genauso wie jedes einzelne der 5 Gerichte 🙂
Mark toppt das Ganze noch mit einem Dessert aus Vanillecreme mit gegrillter Ananas und Kekskrümeln. Mir reicht ein Limoncello und natürlich ein Espresso ☕️



Das war wirklich ein überraschender Ausklang und weil wir alles ratzeputze leer gegessen haben, klart es überm See nochmals kurz auf. Es reicht zwar nicht dafür, dass sich die Berge auf der Wasseroberfläche spiegeln, dennoch verleihen die Wolken dem See etwas Mystisches 😶🌫️




Mit diesen Bildern verabschieden wir uns von Wānaka und wünschen Euch allen einen schönen 3. Advent 🕯️