Der Abel Tasman gilt als Juwel der Nordküste: goldene Sandstrände, klares Wasser, dichter Wald und ein angenehmes Klima für lange Wandertage.
Tatsächlich gilt die Tasman Bay ebenso wie Marlborough als eine der sonnenreichsten Regionen des Landes, was die Chancen auf stabile Wetterlagen erhöht. Genau deswegen haben wir unseren eigentlichen Plan geändert und die Wanderung durch den Abel Tasman vorgezogen ☀️
Mārahau ist dafür genau der richtige Ausgangspunkt. Die Straße endet buchstäblich am Meer, weshalb das Örtchen oft als „Gateway to Abel Tasman“ bezeichnet wird. Der Abel Tasman Coast Track beginnt quasi direkt am Campground. Seine volle Länge von 60 Kilometern wandern die wenigsten - wir auch nicht 🤣
Um 9 Uhr bringt uns eines der Abel Tasman Wassertaxis nach Torrent Bay. Das Witzige ist, wir steigen direkt ins Boot, was noch auf dem Anhänger steht, und werden erstmal zur Anlegestelle kutschiert. Der Traktor schiebt das Boot dann soweit ins Meer, bis es eine Hand voll Wasser unterm Kiel hat. Je nach Gezeiten können das auch mal ein paar 100 Meter mehr sein 😎


Isaac, unser Skipper, erklärt uns, dass der Unterschied zwischen Ebbe und Flut etwa 4, bei einer Springflut auch mal bis zu 6 Meter betragen kann, was sonst in Neuseeland selten der Fall ist. Zu unserem Glück macht er noch einen Abstecher zum Split Apple Rock, dem gespaltenen Granitblock, der im türkisfarbenen Wasser liegt wie ein sauber halbierter Apfel 🍎
Der Felsen ist mehrere Millionen Jahre alt, und die ungewöhnlich gleichmäßige Spaltung geht vermutlich auf Frostsprengung in einer alten Kluft zurück. Das heißt, das Wasser gefror und drückte den Stein im Zeitlupentempo auseinander.


Die Mãori haben natürlich ihre ganz eigene Legende. Demnach entstand der Split Apple Rock im Streit zweier Götter. Der Fels wirkt aus der Nähe massiver, und die fast stille Bucht verstärkt den Eindruck noch 🪨
Der Zwischenstopp dauert nur ein paar Minuten, danach nimmt das Boot Kurs auf Torrent Bay. Die Fahrt entlang der Küste zeigt bereits auf den ersten Metern bereits, warum der Abel Tasman so beliebt ist: mit dem Kajak zugängliche Strände, klare Linien in der Landschaft und dichter Wald auf den Hängen. Typisch für diesen Teil sind Manuka- und Kanuka-Sträucher sowie Rātā Bäume, die aufgrund ihrer leuchtend roten Blüten leicht zu entdecken sind 🌸




Da wir keine Lust auf Hektik und Zeitdruck haben, haben wir uns trotz der Falls River Swingbridge, einer 40 Meter lange Hängebrücke in 15-20 Metern Höhe, gegen die klassischen Wanderungen von Bark Bay nach Anchorage oder Torrent Bay bis Bark Bay entschieden. Stattdessen laufen wir in unserem Tempo zurück nach Marahau: 17 Kilometer, rund 5,5 Stunden ohne Pausen 🙏
Wir spülen uns den Sand von den Füßen, denn so ganz ohne das Wasser zu berühren, können wir nicht vom Boot hüpfen, und erkunden erstmal Torrent Bay. Die Bucht ist eine Besonderheit im Nationalpark. Entlang des Strandes stehen sogenannte private Baches, neuseeländische Ferienhütten im Familienbesitz, die seit Jahrzehnten geduldet werden und eine kleine „Ferienhaussiedlung“ mitten im Schutzgebiet bilden 🛖




Schade, dass noch nicht Ebbe ist. Sobald das Wasser zurückgeht, verwandelt sich die Bucht in eine riesige Sandfläche, die wir in rund 25 Minuten trockenen Fußes durchqueren könnten. Dieser Gezeitentrick gestaltet den Track nicht nur abwechslungsreicher, sondern verkürzt ihn auch um 3,5 Kilometer 😲
Allerdings entginge Euch dann auch dieser wunderschöne Weg, der Strandabschnitte und schattige Waldwege kombiniert und immer wieder den Blick über die Buchten ermöglicht, dazu Vogelstimmen und ein ständiges Rascheln im Unterholz. Die Höhenmeter summieren sich über den Tag, sind aber technisch nicht anspruchsvoll. Es ist eher ein stetiges Auf und Ab entlang der Küste 🥾




Der Nationalpark ist mit 225 Quadratkilometern zwar der kleinste in Neuseeland, aber einer der vielseitigsten und meistbesuchten, da Küstenabschnitte und Wanderwege dank Wassertaxis und Kajaktouren gut erreichbar sind 🛶
Die erste Stunde vergeht wie im Flug und wir machen einen kurzen Abstecher flussaufwärts zum Cleopatras Pool, wo sich in einem natürlichen Becken aus Felsen das Wasser sammelt. Der Pool ist klar und ein logischer Ort für eine kleine Verschnaufpause ⏸️






Ein paar Mädels rutschen auf der glatten, moosbewachsenen Felsplatte wie auf einer natürlichen Wasserrutsche ins Becken und quieken dabei als gäbe es kein Morgen. Durch die Lage im Wald ist das Wasser auch an warmen Tagen frisch 🥶
Im Gebüsch streuen ein paar Wekas herum und hoffen auf Leckerlis. Achtung: Sie sind cleverer als sie aussehen. Sie öffnen auch einen Reißverschluss, wenn sie Nahrung wittern und bedienen sich selbst 😂





Zurück auf dem Abel Tasman Coast Track überqueren wir die Hängebrücke über den Torrent River und biegen etwa 200 Meter später Richtung Holyoake Clearing ab. Der kurze, aber steile Anstieg von rund 160 Höhenmeter hat es in sich. Dennoch erspart er uns den Umweg von gut 3 Kilometer über The Anchorage, eine weitere Bucht mit goldenem Sandstrand, türkisfarbenen Wasser und mit ganz viel Glück Robben 🦭





Der Abschnitt zeigt gut, wie schnell die Vegetation im Abel Tasman wechseln kann: unten Strand, oben dichter Farnwald. Auf dem Inland Track ist so gut wie nichts los. Kein Wunder, die meisten bleiben lieber an der Küste. Glück wir uns, so genießen wir für eine gute halbe Stunde das Gefühl, ganz allein im Abel Tasman zu sein 🥰




Spätestens am Yellow Point Lookout treffen sich alle wieder 😅 Der Blick über Akersten Bay und Stilwell Bay ist einfach unbeschreiblich. Die Wasserfarbe wirkt fast unwirklich, weil das Türkis auf jedem Abschnitt identisch erscheint. Wir frühstücken erstmal und lassen unsere Gedanken schweifen.






156 Tage sind wir mittlerweile unterwegs und wir wollen keinen Tag missen. Im Gegenteil, manchmal fragen wir uns, warum verlängern wir nicht einfach um einen weiteren Monat 🤔 Mark könnte Urlaub beantragen. Und ich? Auf einen Monat mehr oder minder käme es nun auch nicht mehr an, zumal sich noch nichts Konkretes abzeichnet.
Auf der anderen Seite entgeht mir dadurch vielleicht mein Wunschkandidat … Gut, dann bleibt alles, wie es ist und wir erfreuen uns an dem, was wir gerade erleben. Diese Stille ist übrigens nur möglich, weil viele dieser Buchten nur zu Fuß oder per Kajak erreichbar sind 🤫
Der Aussichtspunkt liegt so, dass die Buchten klar voneinander getrennt wirken, obwohl sie direkt ineinander übergehen - ein Effekt des Astrolabe Roadstead, einer geschützten Bucht, benannt nach dem französischen Forscher Dumont d’Urville, der 1827 dort mit seinem Schiff Astrolabe ankerte ⚓️




Unser nächster Stopp ist die Apple Tree Bay. Unterwegs kann ich Mark nicht davon abhalten noch ein paar Farne zu fotografieren. Die sind aber auch zu schön, insbesondere wenn sie von der Sonne angestrahlt werden. Zudem kreuzt noch ein Weka unseren Weg, während wir die Tuis, Bellbirds, Fächerschwänze und die South Island Robins nur hören 👂





Die Bucht ist offen, sonnig und durch den flachen Zugang ein guter Platz für eine Stippvisite am Wasser. Der Sand ist hier besonders hell, was die Farben des Wassers noch stärker wirken lässt. Hinter dem Strand liegt eine kleine Gezeitenlagune,so dass wir bei Flut das Meer vor uns und das auflaufende Wasser im Rücken haben - ein faszinierendes Naturschauspiel 🙃🙂




Weiter geht’s zu Coquille Bay. Der Strand liegt windgeschützt und natürlich springt Mark ins Wasser, schließlich sind wir seit gut 5,5 Stunden unterwegs 😊 Die kleine, halbmondförmige Bucht ist eine der ersten wirklichen „Postkartenstrände“ des Parks und dennoch verblüffend leer.




Wir könnten jetzt wieder zum Abel Tasman Coast Track zurücklaufen, aber da sich das Wasser so langsam zurückzieht, überrede ich Mark über die Felsen zur Tinline Bay zu klettern. Und ganz ehrlich, wie gut, dass ich ganz Widder Like mit dem Kopf durch die Wand wollte. Die Felsformationen in dieser bei Ebbe breiten Bucht sind einmalig, ein wirklich lohnenswerter Abstecher, der uns sonst entgangen wäre 🙏







Gefühlt könnten wir jetzt die letzten 3 Kilometer komplett am Wasser entlang laufen. Doch ganz geheuer ist uns das nicht, so dass wir in Höhe des Campsites auf den Track zurückkehren und bei Stu's Lookout noch einmal einen tollen Ausblick auf die breiten Sand- und Schlickflächen der Tinline und der Sandy Bay genießen 😌




Am Ende führt der Abel Tasman Coast Track durch offenes Terrain, wodurch wir Marahau früh erahnen, ohne dass der Weg an Reiz verliert. In dem Feuchtgebiet tummeln sich Purpurhühner und picken im Watt herum. Unvorstellbar, dass das Wasser bei Flut fast die Straße erreicht 😱





Juhuuu, wir haben es geschafft. Gegen 17:15 Uhr sind wir glücklich und zufrieden zurück und fallen ins The Park Café Mārahau ein. Eigentlich wollte ich nur einen Cappuccino trinken, aber ein Blick auf die Karte und wir sind uns einig. Wir kochen heute nicht mehr selbst, sondern gönnen uns jetzt gegrillte Kalamari 🦑 und eine Pizza 🍕



Frisch gestärkt holen wir noch unseren Camper und kehren zur Old MacDonalds Farm zurück. Mark geht im Fluss baden, während ich ausführlich dusche. Boah, tut das gut 👍 Und während wir auf den Tag anstoßen, betteln 2 Enten nach Futter, indem sie penetrant quaken … okay, eine Scheibe Brot, mehr nicht 🦆


Kennt Ihr diese Art von Erschöpfung, die sich nicht nach Anstrengung anfühlt, sondern nach einem durchgehend wundervollem Tag? Genauso war der Abel Tasman Coast Track für uns. Wir haben jeden Einzelnen der 18,5 Kilometer, und der über 27.500 Schritte genossen 😊