Marlborough ist DAS Weinanbaugebiet in Neuseeland, bekannt in erster Linie für Sauvignon Blanc, einen oft grasig-grünen Weißwein.
So langsam haben wir Routine und schlafen auch erstaunlich gut. Bis fast halb 9, damit lässt es sich gut in den Tag starten. Wir verlassen Kaikoura Richtung Norden. Unser nächstes Ziel ist Blenheim, eigentlich gar nicht weit, aber schon nach wenigen Kilometern merken wir, dass wir mal wieder etwas länger brauchen.
Die Landschaft ist einfach zu schön, insbesondere die Küste - rau und wild. Unser erste Stopp ist Harveys Head. Der Felsen ist ein wichtiger Rückzugsort für Möwen. Hier können sie ungestört nisten, ohne feuchte Füße zu bekommen. Egal, wie kräftig die Wellen sind 🙃🙂


Ein paar Kurven weiter taucht Nins Bin auf. Der blaue-weiße Wagen steht einsam am Straßenrand, festverankert seit Jahrzehnten. Auch wenn der ein oder die andere sich jetzt schüttelt, zum Frühstück gibt es Crayfisch und eine Portion Pommes. Das hört sich schräger an, als es ist, vertraut uns.
Crayfisch ist die englische Bezeichnung für Languste, wobei es sich in Neuseeland genau genommen um einen Rock Lobster ohne Scheren handelt. Gefangen werden sie noch ganz traditionell mit Körben. Aber nicht nach Lust und Laune, die Bestände und Fangquoten sind streng limitiert und die Schonzeiten klar geregelt 🦞



Bezahlt wird nach Gewicht. Wir suchen uns ein Exemplar aus, was dann frisch zubereitet wird - für uns nur mit Zitrone, überbacken mit Knoblauchbutter wäre die Alternative gewesen. Das Fleisch ist etwas zarter als beim Hummer und ein wenig süßer im Geschmack. Es ist einfach lecker, punkt, egal zu welcher Uhrzeit 🙃🙂


Es wurde uns bereits angekündigt und natürlich halten wir nochmal in Ohau, um auch die Fellrobben in dieser kleinen Buchten in Augenschein zu nehmen. Sie sind einfach zu süß, um sie links liegen zu lassen 🦭




Die Kolonie fühlt sich rundherum wohl, denn tatsächlich gehört der ganze Küstenabschnitt ihnen. Wir können uns nur schwer loseisen, doch wenn wir noch das ein oder andere Weingut besuchen wollen, müssen wir, ob wir wollen oder nicht 😅





Zu guter Letzt halten wir noch an Len’s Lookout, einem dieser endlosen Strände mit tollen Wellen. Bis auf ein weiteres Pärchen ist er menschenleer. Wir laufen ein Stück und lassen uns den Wind um die Nase wehen. Die besondere Stille ist unbeschreiblich, nur das Meer, ein paar Möwen und wir 😎




So ist sie die Nordostspitze der Südinsel, eingeklemmt zwischen dem Pazifik, den Richmond Ranges und dem Wairau River: ein Mix aus Küste, offenen Ebenen, grün-braunen Hügeln und Kilometer langen üppig grünen Weinbergen. An machen Stellen wirkt die Landschaft wie gemalt 🖌️




Marlborough gilt mit über 2.400 Sonnenstunden pro Jahr als sonnigste Ecke Neuseelands. Kein Wunder, dass in der Region rund 75 Prozent des neuseeländischen Weins gekeltert werden. Die Kiwis schwören dabei auf Sauvignon Blanc oder Sav, wie sie ihn liebevoll nennen ☀️
Kurz vor Blenheim weckt die Historic Bridge, eine alte Brücke entlang des Whale Trails, unser Interesse. Sie gehörte einst zur Hauptverbindung zwischen Christchurch und dem Norden der Südinsel.




Schließlich erreichen wir Blenheim. Bevor wir uns den ersten Weinen widmen, gibt es einen Chai Milchshake, einen grünen Smoothie, einen Scone mit Cranberrys und eine Chocolat Roll im Unfiltered Coffee. Ich liebe diese Cafés, die neben Kaffee & Kuchen noch alles Mögliche wie Curds, Chutneys, Gewürze und Küchenutensilien haben. Da lässt es sich wunderbar stöbern 😉


Mit dieser Grundlage im Bauch besuchen wir Wairau River Wines. Witzigerweise war der erste Wein, den wir in Neuseeland gekauft haben von dem seit 1978 familiengeführten Weingut. Wir probieren die Reserve Range und die Summer Edition, wo wir wissen, dass wir sie auch im Supermarkt bekommen 🤫
Alle Weine werden im Wairau Valley angebaut, wo die Böden aus alten Schwemmlandablagerungen bestehen. Das heißt, sie sind steinig, stark drainiert und somit ideal für den Sauvignon Blanc. Zudem sind die Tage warm und die Nächte kühl, womit die Weine dieses frische, intensive Aroma bekommen, wofür sie Region Marlborough weltweit bekannt ist 🍇





Die Unterschiede zur Nordinsel sind immens. Wie Ihr wisst, haben uns dort nur sehr wenige Weine gemundet. Das warme, aber feuchte Klima und die Böden aus Vulkangestein, angeblich perfekt für Merlot, Cabernet Sauvignon oder Syrah konnten uns bis auf Ausnahmen nicht überzeugen 🍷
Hier im Süden sieht das schon ganz anders aus. Unsere Favoriten von Wairau River sind der Grauburger, der Carte Blanche - White Blend, eine wilde Cuvée aus Albariño, Grauburgunder, Riesling, Gewürztraminer und Viognier sowie der Riesling, weil er so ganz anders schmeckt als im Rheingau oder Rheinhessen 🤣


Gleich gegenüber ist Nautilus Estate of Marlborough, ein viel kleineres, familiengeführtes Weingut, welches seit 1985 hochwertige Weine produziert. Um besser vergleichen zu können, probieren wir auch hier den Sauvignon Blanc, den Grauburgunder sowie den Rosé und zusätzlich den Albariño. Sie sind alle gut und weit komplexer, als vieles, was wir im Norden probiert haben 👍



Das No1 Family Estate hat sich auf die traditionelle Herstellung von Sekt spezialisiert. Es wurde 1980 von Daniel Le Brun gegründet, dessen Wurzeln 12 Generationen zurückreichen. Leider schließt es, in dem Moment, wo wir auf den Parkplatz fahren. Schade, was Spritziges wäre ein schöner Abschluss gewesen 🍾




Cloudy Bay hat noch geöffnet, für ein Tasting sind wir jedoch zu spät. Wir schauen uns trotzdem ein wenig um, denn die Architektur des Weinguts ist beeindruckend.
Zudem gehört es zu den Pionieren. Bereits 1985 gelang es Gründer David Hohnen den ersten Sauvignon Blanc auf dem internationalen Markt zu etablieren. Vielleicht gönnen wir uns eine Flasche zu Weihnachten 👌





Unser letztes Ziel ist das Wairau Diversion Reserve, ein sogenannter Self Contained Freedom Campingplatz. Dabei handelt es sich um kaum mehr als eine freie Fläche am Fluss, naturbelassen, ohne Infrastruktur - genau das macht den Charme aus 😊
Im Moment ist nicht wirklich viel los. Wir finden einen ruhigen Platz direkt am Wasser und drehen erstmal eine kleine Runde am Wairau River entlang. Genau genommen ist es der künstlich angelegte „Diversion Channel“ bei Rarangi, der den Fluss auf direktem Weg durch Dünen und Kiesbänke in die Brandung von Cloudy Bay schickt. Seine ursprüngliche Mündung ist die historische Wairau Bar, etwas 8 Kilometer südlich von uns 🧐




Gegenüber der Flussmündung stehen hohe Pinien und kurz dahinter ein super schönes Haus mit einem blühenden Lavendelfeld, das erst auf den 2. Blick ins Auge fällt, so versteckt ist es 💜





Früher durften Camper vermutlich bis hierher fahren, zumindest lässt die Toilette darauf schließen. Heute gehört die Flussmündung ganz den Angler, während Möwen, Seeschwalben und gelegentlich Zugvögel über den Kiesinseln nach Nahrung suchen 👀
Mark wollte eigentlich noch ins Wasser springen, doch der Wind frischt auf. Das sind vermutlich schon die Vorboten des Unwetters, was uns morgen erwartet ☔️ Wir laufen also zurück, bauen unseren Tisch und die Stühle auf, und Mark wagt sich dann doch den steilen Abhang hinunter und erfrischt sich kurz im Fluss.
Die Küche bleibt natürlich kalt 🥶 Wir haben noch ausreichend Brot, Käse, Chutney, Gurke, Tomate und Salat. Klar könnten wir auch kochen, die Gasflasche ist voll, aber wozu es komplizierter machen als nötig. Es reicht ja, das wir offiziell unsere Toilette einweichen, oder? 😉


Wir genießen noch den Sonnenuntergang und dann beginnt das ganze Dilemma. Kurz nachdem wir das 1. Mal spülen, ist plötzlich der Strom weg - nichts, nada, njiente … Wir standen 3 volle Tage auf einem Powersite Campingplatz, wie kann das sein? 🤔


Es ist mittlerweile nach 21 Uhr und wir rufen die Road Assistence an. Natürlich erreichen wir um die Zeit nur eine Schnuse vom Call Center. Sie erzählt uns irgendwas von einem „Isolater“ und „a Red Nope“. Wir suchen im kompletten Camper nach einem roten Schalter, ohne Licht, nur mit einer Taschenlampe, was eine echte Herausforderung ist 🫣
Es ist echt ein Trauerspiel, denn sie hat keine andere Lösung für uns, als dieses Sch… Teil zu finden. WhatsApp oder Videocall geht natürlich auch nicht, sie kann nur telefonisch helfen. Zwischendurch schlägt sie noch vor, wir sollen doch einfach nur auf Campingplätze mit Strom gehen. Danke für den Tipp, nein danke 🙂↔️
Nach einer guten halben Stunde finden wir irgendeinen Projector mit Resettaste. Juhu, wir haben wieder Licht … für ganze 2 Minuten 💡 Wir geben auf, bitten um Rückruf, um zu klären wie es weitergeht, und schlafen erstmal.
Puh, das war eine ganz schön stürmische Nacht. Aufgrund der Höhe sind wir relativ windanfällig. Zum Glück sind wir nicht auf der Nordinsel unterwegs, da muss es richtig schlimm gewesen sein. In Auckland wurde sogar die Harbour Bridge gesperrt 🔒
Wie erwartet regnet es. Zum Glück haben wir keine Eile. Nach Picton sind es nur knapp 30 Kilometer. Kurz nach 9 Uhr meldet sich thl, die Camperstation. Wieder werden wir gebeten, den Isolater aus und wieder anzuschalten. Diesmal bekommen wir ein Bild per E-Mail geschickt. Und siehe da, unser Isolator ist Schwarz nicht Rot, da hätten wir noch lange suchen können 😬


Helfen tut das alles nichts. Wir müssen in die Werkstatt. Die nächste ist in Picton, das passt 👍 Sie hat bis 17 Uhr geöffnet. Wir sollen einfach hinfahren. Gut!
Wir satteln die Pferde, kaufen auf dem Weg noch frisch gepflückte Kirschen und steuern den Supermarkt und die Westpac an. Tatsächlich decken wir uns dort immer mit Bargeld ein, um wie in Australien die Gebühren zu sparen, die viele Cafés, Restaurants und Campingplätze beim Bezahlen mit Kreditkarte nehmen. Fürs Abheben selbst bezahlen wir mit der Kreditkarte von der Bank of Norwaign und der Debitkarte von der DKB nichts 💳
Nachdem wir unsere Vorräte aufgestockt haben, gönnen wir uns ein sehr gutes Essen bei Allan Scott, einem weiteren Weingut in Blenheim. Das 55 Tage Dry Adged Beef ist schon 1A, aber die Medaillons vom Wild toppen es noch um Längen. Schaut Euch nur diese Teller an. Da läuft Euch doch das Wasser im Mund zusammen, oder? 😋



Gegen 15 Uhr erreichen wir im strömenden Regen die Werkstatt. Beruhigt stellen wir fest, sie haben mit uns gerechnet. Schnell ist das Problem gefunden und die sogenannte Hausbatterie ausgetauscht. Sie war schlicht hinüber🪫
Der Automechaniker stellt uns noch unsere Rückfahrkamera richtig ein und beruhigt uns hinsichtlich des Fensters, wo es etwas reingeregnet hat, und auch wegen des ESP, was manchmal ausfällt - alles ganz normal. Einfach kurz anhalten, 2 Minuten warten und weiterfahren. Und wegen des Fensters, am besten in Richtung des Unwetters parken, damit schneiden wir den Wind geschmeidig, anstatt uns ihm in den Weg zu stellen.



Mit diesen wertvollen Tipps rollen wir weiter zum Campingplatz. Der hat auch wieder Strom, so dass sich die Batterie trotz Heizung richtig aufladen kann 🔋 Zum Abendessen gibt es Pies mit dem restlichen Kartoffelpüree und Salat.


Was für ein aufregender Tag. Davon muss ich unbedingt Papa berichten, er liebt solche Geschichten.