Wir besuchen das „Radfahrer-Weindorf“ Martinborough und lassen uns von den über 120.000 Jahre alten Putangirua Pinnacles beeindrucken.

Es geht weiter Richtung Süden. 260 Kilometer liegen vor uns und das Wetter lässt zu wünschen übrig. So grau und unbeständig wie es ist, macht ein Stopp beim Pūkaha National Wildlife Centre keinen Sinn 😢 

Das Schutzgebiet inmitten eines alten Tararua Walds ist bekannt für seine bis zu 2 Meter langen Langflossenaale, die bei den Māori als „Kaitiaki“, Wächter der Flüsse, gelten und am Ende ihres Lebenszyklus bis nach Tonga wandern, um dort zu laichen 😲

Auch Greytown, die 1854 erste geplante innerländische Stadt Neuseelands, mit viktorianischen Häusern, Boutiquen und seiner bekannten Schokoladenmanufaktur lassen wir links liegen und fahren direkt durch nach Martinborough.

Das kleine Städtchen liegt im Zentrum der Wairarapa Weinregion, die mit etwa 1.000 Hektar klein, aber aufgrund des warmem und trockenen Klimas angeblich gute Pinot Noirs hervorbringt 🍷

Wir testen das bei Schubert Wines, einem der zahlreichen Weingüter, die alle kaum größer als ein Familienbetrieb sind. Sie bauen ihre Weine nach deutsch-neuseeländischer Winzertradition und bio-dynamisch an. Ganz ehrlich, auch das hilft nicht.

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So langsam zweifeln wir an uns. Sind wir zu anspruchsvoll? Warum schmecken uns weder die Weiß- noch die Rotweine? Klar, wir könnten noch mehr probieren, aber dafür jedes Mal 15 NZ-Dollar ausgeben 🤔

Wir checken erst mal im Parehua Resort ein und bekommen ein Upgrade. Das Cottage ist etwas größer und richtig schön. Wieder so eine Unterkunft, wo wir uns auch vorstellen könnten, länger zu bleiben 😊

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Da das Resort in den Eclipse Weinbergen von Luna Estate Winery liegt, ist eine Weinprobe auf dem Weingut für Übernachtungsgäste kostenlos. Na gut, dann schauen wir dort noch vorbei. 

Die Weingüter liegen oft nur wenige Minuten voneinander entfernt, weshalb Martinborough auch den Ruf als „Radfahrer-Weindorf“ genießt. Wir nehmen dennoch das Auto. Mark hält sich beim Wein trinken entsprechend zurück 🍇

Das gerade mal 10 Jahre alte Weingut ist sehr viel moderner aufgestellt und spricht uns sehr an. Ohne Erwartungen probieren wir den ersten Wein, einen Sauvignon Blanc … und wir sind positiv überrascht. Endlich mal ein Wein, der uns mundet.

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Aber wie kann das sein? Sind die Böden in der Region tatsächlich so unterschiedlich oder liegt es am Kellermeister? Fakt ist, auch der Chardonnay, der Rosé und sogar der Pinot Noir vom Luna Estate sind so, dass wir uns nicht ärgern würden, wenn wir sie bestellt hätten 😇

Hinterher drehen wir noch eine Runde durch Martinborough selbst. Die Stadt wurde 1879 gegründet und streng als Union Jack geplant. Alle Straßen führen sternförmig ins Zentrum, wo Cottages aus dem 19. Jahrhundert, ein paar Geschäfte und Cafés stehen.

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Wir schauen im Karuhi Wine Bar & Restaurant vorbei und bestellen für später einen Tisch. Unter der Woche wäre das nicht nötig gewesen, aber am Wochenende ist das ein Muss. Martinborough ist mit 1.700 Einwohnern einfach sehr klein 🫢

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Das Essen ist hervorragend. Die Entenkeule mit Rotkohl, Kartoffelbrei und Rotweinsauce erinnern uns ein wenig an unser alljährliches Gänseessen beim Lemp, es ist nur etwas feiner. Das Ochsenbäckchen mit Pak Choi zergeht auf der Zunge, so zart ist es.

Anstatt des einen bestellten Gin Tonics bekomme ich ein ganzes Tasting. Ja, der Inhaber ist sehr stolz auf die 3 selbst kreierten Gins, die sie exklusiv anbieten 🙂 

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Zurück in unserer Unterkunft verabschieden wir noch meine Eltern in den Urlaub und gehen früh ins Bett. Gute Nacht 🌙

Auf geht’s in die windigste Stadt der Welt: Wellington. Doch zuvor machen wir noch einen Abstecher zu den Putangirua Pinnacles. Sie gehören zu den markantesten Felsformationen der Nordinsel. 

Der Weg beginnt im trockenen Flussbett. Ein Knirps von 5 oder 6 Jahren ruft uns zu: „No worries only 45 minutes one way!“, vermutlich haben seine Eltern ihn mit dieser Aussage die ganze Strecke über bis zum Aussichtspunkt beschwichtigt, sind ja nur etwa 2 Kilometer und 200 Höhenmeter 🤣

Die Treppen aus halben Baumstämmen lassen nicht lange auf sich warten und führen wieder einmal durch einen Farnwald. Sorry, aber Mark hat echt einen Narren an dieser Pflanzengattung gefressen. Bitte verzeiht ihm das. Es ist einfach die pure Freude darüber, dass der Track, der bis vor ein paar Tagen noch gesperrt war, wieder offen ist.

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Bis zum Aussichtspunkt hoch reichen theoretisch Schuhe mit gutem Profil. Wir haben natürlich Wanderschuhe an und das ist auch gut so, wie sich später noch rausstellen wird 🥾

Der Weg zieht sich. Je höher wir kommen, desto besser wird der Blick auf die Palliser Bay in der Ferne. Irgendwo da unten steht unser Auto. 45 Stufen, nochmal 4, weitere 38, dann 3 und das Schild. Wir sind endlich da.

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Oben angekommen, genießen wir den Panoramablick auf die Putangirua Pinnacles, die markantesten geologischen Felsformationen auf der Nordinsel Neuseelands 🇳🇿 Die beeindruckenden schlanken, säulenartigen Erdpfeiler, die durch Wind, Regen und Flusswasser ausgewaschen wurden, werden von Geologen als Hoodoos bezeichnet.

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In ihrer derzeitigen Form sind sie das Ergebnis der Erosion alter Sedimentschichten - nicht von ein paar Tausend, sondern von über 120.000 Jahren. Einige der Spitzen sind durch eine schützende Schicht aus Schlamm oder Gestein bedeckt. Das verlangsamt die Erosion und erklärt zum einen die dramatischen Formen, zum anderen warum die Māori in ihnen versteinerte Ahnen oder Küstenwächter sehen 🪨

Zurück nehmen wir nicht denselben Pfad, sondern folgen den anderen, die den Rundweg nehmen, der etwas höher zum Flussbett führt. Doch anstatt schon zum Auto zu laufen, betrachten wir die Putangirua Pinnacles ganz aus der Nähe. Wir begeben uns damit direkt auf den „Pfad der Toten“ aus der „Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs.“ 🎬

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Vor Ort wirkt alles noch surrealer als im Film. Die Felsnadeln stehen eng beieinander wie ein Wald aus grauen Säulen. Genau jetzt sind die Wanderschuhe Gold wert, denn lose Steine säumen den Weg. Es ist so faszinierend, dass wir öfter stehen bleiben und länger schauen als geplant.

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Unvorstellbar, dass diese Gegend vor 7 bis 9 Millionen Jahren eine Insel war und diese Ablagerungen durch Gletscher und Flüsse entstanden sind, die Kies an die Küste transportierten. Noch krasser, Jahr für Jahr geht im Schnitt etwa 1  Zentimeter der beeindruckenden Erdpfeiler verloren 😱

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Über 3 Stunden verbringen wir in den Putangirua Pinnacles. Wie gut, dass wir nichts weiter vorhaben. Wir halten nur noch in Featherston bei C’est Cheese. Der Laden hat sich auf neuseeländischen Käse spezialisiert 🧀 

Ein frisches Wholemeal Sourdough haben wir morgens schon in The Martinborough Bakery gekauft, so dass einem gemütlichen Abend in Wellington nichts mehr im Weg steht.

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Wir haben über 2 Monate für Neuseeland eingeplant und immer wieder ertappen wir uns dabei, das reicht nicht. Schon jetzt nach 4 Wochen wären wir an so vielen Ecken gerne noch länger geblieben oder hätten einfach auf besseres Wetter gewartet.