Kerikeri, eine der ersten dauerhaften europäischen Siedlungen und idealer Ausgangspunkt, um die Bay of Islands zu erkunden.
Wir haben sicherheitshalber einen Wecker gestellt, den wir mal wieder gar nicht brauchen, weil wir eh vorher wach sind. Ausschlafen ist Mangelware. Aber so ist das. Wer viel erleben will, steht früh auf ⏰
Genau genommen wartet einer der besten Bauernmärkte Neuseelands auf uns. Der Bay of Islands Farmers Market in Kikeriki, ich meine natürlich in Kerikeri, findet jeden Sonntag von 8:30 bis 12:30 Uhr statt.
Ihr müsst euch den Markt wie folgt vorstellen. Anstatt Buden parkt jeder seinen Van in einer Parkbucht und verkauft mehr oder minder aus dem Kofferraum heraus. Klar, davor ist noch ein Tisch und ein Zelt aufgebaut, damit das Ganze auch bei Regen funktioniert. Einfach großartig 👏
Wir brauchen gut 1,5 Stunden und sind gegen 10 Uhr da. Eine gute Zeit, um das Angebot an regionalem Obst, Gemüse, Honig, Marmeladen, Käse sowie Backwaren unter die Lupe zu nehmen, gefühlt an jedem Stand einzukaufen und schon mal einen Cappuccino sowie einen Brownie zu schnabulieren 😎


Danach schauen wir noch beim The Old Packhouse Market vorbei, wo ein wenig Flohmarkt Feeling aufkommt. So ganz unser Ding ist das nicht. Uns hätten mehr das Streetfood und die lokalen Spezialitäten begeistert, aber die Stände haben nur samstags geöffnet 🔓
Nicht schlimm. Das Weingut Marsden Estate ist bekannt für seine kreative und regionale Küche und bestimmt eine gute Alternative. Wir freuen uns schon darauf, ein Glas Wein mit Aussicht auf die Weinberge und den See zu genießen.
Doch Pustekuchen … Der einzige Tisch, den sie noch anbieten können, ist der Katzentisch im Vorraum des Restaurants. Darauf haben wir keine Lust und gehen, was aber auch niemanden so wirklich interessiert 🥲
Da wir eine e-SIM von One und damit jederzeit Internet haben, schauen wir schnell auf Google nach einem Restaurant in der Nähe und finden das Kai Mata, bewertet mit einer 4,8 - genauso gut wie das Weingut.
Und es ist wirklich eine gute Wahl. Anstatt mit Wein stoßen wir nun mit ausgezeichneten Cocktails auf den Tag an und das Essen ist das Beste, was wir bisher hatten. Das Kalbskarree auf Trüffelpüree ist super zart und aromatisch, das Wagyu-Carpaccio etwas ganz Besonderes und der Salat mit Birne und Ziegenkäse die ideale Ergänzung 😋
Zudem ist die Inhaberin super freundlich. Wie so oft möchte sie wissen, woher wir kommen und was wir so vorhaben. Sie gibt uns Tipps für die Fähre nach Russell sowie eine alternative Wanderung zum Tongariro Alpine Crossing 👌



Kerikeri wirkt total entspannt und ist super grün dank der Orangen- und Avocadobäume sowie der Mandarinen, Kiwis, Passionsfrüchte und Feijoas, die hier wachsen. Kaum vorstellbar, dass die „Fruit Bowl of the North“ einmal Zentrum großer Veränderungen war 🤔
Lange bevor die ersten Missionare kamen, lebten hier die Ngāpuhi, einer der mächtigsten Stämme der Māori im Norden. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand dann eine der frühesten europäischen Siedlungen Neuseelands und ein Ort, an dem Maori und Missionare eng zusammenarbeiteten, die Bibel ins Te Reo übersetzten, Obstgärten anlegten und die ersten Orangenbäume des Landes pflanzten 🍊
Wir fahren weiter zum Kerikeri River. Der Weg zu den Rainbow Falls führt keine 10 Minuten durch einen dichten Farnwald, dennoch müssen wir am Eingang mal wieder unsere Füße desinfizieren. Schließlich könnten wir uns entscheiden, anstatt nach rechts nach links abzubiegen und den Kerikeri River Track entlang zu wandern 🥾



Der Wasserfall stürzt 27 Meter über eine Basaltkante in ein rundes, dunkles Becken. Wenn die Sonne richtig steht, bilden sich kleine Regenbögen im Sprühnebel, daher auch der Name. Die Māori nennen ihn Waianiwaniwa, das „Wasser des Regenbogens“. Wir lauschen einen kurzen Moment den dosenden Wassermassen und anschließend der Stille des Waldes 🌈



Ganz in der Nähe, nur ein paar Minuten weiter liegt die alte Missionsstation. Der Stone Store von 1832 ist das älteste Steingebäude Neuseelands und wurde aus Sandstein, Muschelkalk und Kauri-Holz errichtet.
Daneben steht das ehemalige Mission oder sogenannte Kemp House mit angeschlossenem Café schlicht und hell. Eines der ältesten erhaltenen Holzgebäude des Landes überhaupt, eingebettet in einen wunderschönen Garten mit alten Obstbäumen mitten am Fluss 🪵 Mit etwas Fantasie können wir uns dennoch vorstellen, wie abgelegen es vor 200 Jahren gewesen sein muss.
Wir machen noch einen kleinen Abstecher zur St. James Kirche oberhalb des Stone Store. Sie wurde 1878 eröffnet und ist bereits das 3. Gotteshaus an diesem Platz. Sie wirkt recht unscheinbar, gehört aber zu den ältesten kontinuierlich genutzten Kirchen. Davon können wir uns live und in Farbe überzeugen, denn genau in diesem Moment findet ein Gottesdienst statt 😇







Das war ein sehr guter Zeitvertreib bis zum Check-In in unsere Unterkunft. Darauf noch ein Eis beim Keri Berries Farm Store, kurz vor der Makana Chocolate Factory, wo wir vorhin schon gestoppt und Macadamia Butter Toffee Crunch, handgemachtes Toffee mit gerösteten Macadamias und Schokolade, probiert und mitgenommen haben🍦
Während wir unser Eis genießen, fallen uns die Zitronenbäume auf, die gleichzeitig blühen und Früchte tragen. Für uns ist das etwas Besonderes, für die Einheimischen ganz typisch in diesem subtropischen Klima 🍋






Wir erreichen die Relax a Lodge, die inmitten von Orangenbäumen liegt. Unsere Gastgeberin zeigt uns unser Cottage und erzählt gleich noch etwas zur Plantage. Die Valencia Orangen und Mandarinen werden gerade geerntet, andere Sorten wie die Navel Orangen waren bereits im Juni reif 🍊
Von der Blüte bis zur Ernte vergehen je nach Sorte 8 bis 12 Monate. Das und das Klima sind der Grund dafür, dass die Neuseeländer das ganze Jahr über frische Zitrusfrüchte haben.




In der Küche warten auch auf uns frisch gepflückte Früchte, die Mark sicherlich später probiert. Ich mag sie eigentlich auch, wenn sie süß, saftig und aromatisch sind, aber meiner Neurodermitis bekommen sie nicht 🙂🙃
Wir laufen ein wenig übers Gelände der Lodge, besuchen die Schweine, die sich schon sehr auf unsere Essensreste freuen und lassen den Nachmittag an diesem wunderschönen, ruhigen Ort mit einem Café Gourmand ausklingen.
Auf dem Markt haben wir frisches Sauerteigbrot, Käse, Avocados, Gurken, Tomaten und Zwiebeln gekauft. Perfekt, um daraus eine leckere Guacamole und einen kleinen Salat zu zaubern 😌



Mark bucht noch spontan eine Bootstour mit Island Getaways zum berühmten „Hole in the Rock“. Drückt uns dafür bitte die Daumen, dass das Wetter hält. Sonne und blauer Himmel wären schon schön ☀️
Oh oh, das sieht ganz schön grau draußen aus. Das Wetter ist mehr als bescheiden, aber es regnet zumindest nicht. Wir verzeichnen das einfach als kleinen Sieg und hoffen, dass es besser wird ☁️
Gebucht ist gebucht. Wir fahren nach Paihia, wo das Boot um 9 Uhr ablegt. Eigentlich wollten wir nach Russell und dort einen Spaziergang durch das berüchtigte „Hellhole of the Pacific“ machen. Der Name stammt aus dem 19. Jahrhundert, als Russel ein wilder Hafen für Walfänger, Händler und Deserteure, sowie Kneipen, Glücksspiel und Konflikte war 😱
Auch das wäre bei dem Wetter nicht das ideale Ausflugsziel. Hoffen wir, dass der Wind auf dem Meer die Wolken ein wenig wegschiebt. Die Bay of Islands umfasst mehr als 140 Inseln, die bei Sonne von smaragdgrünem Wasser umgeben sind und tolle geschützte Buchten haben.




Unser Skipper erklärt uns unterwegs, warum diese Region für die Māori und die europäischen Entdecker so wichtig war: ruhige Ankerplätze, reiche Fischgründe und eine fast unberührte Natur 😲
In den felsigen Ufern brüten Tölpel, Reiher und Pinguine. Seelöwen dösen auf den Felsen und Delfine durchkämen das Wasser auf der Suche nach Fischen. Auf den Inseln wachsen dichte Wälder aus Pohutukawa und kahuikelastige Sträucher, die als natürliche Schutzwälle dienen. Wir sind gespannt, wie viele Tiere wir sehen werden 🙏


Unser erster Stopp führt uns auf Motuarohia Island, auch Roberton Island genannt. Hier ging James Cook 1769 während seiner ersten Erkundungsreisen an Land. Dabei kam es zu Spannungen mit den Ngāpuhi, für die die Inseln spirituelle Orte waren 😳
Ein kurzer Spaziergang führt zum Aussichtspunkt, von wo aus wir den Blick auf die Twin Lagoon Bay genießen. Von oben sieht die Landschaft gar nicht mehr so grau und düster aus. Die Insel ist ein schöner Auftakt, bevor wir aufs offene Meer hinausfahren.








Auf einer kleinen, unberührten Insel liegt tatsächlich ein Seelöwe faul auf den Felsen und ein Tölpel macht kurzerhand halt - was für ein Glück 🍀 Den Pinguinen, Delfinen oder Walen ist es vermutlich zu ungemütlich, um uns ein Stück zu begleiten.


Mark wirft kurzerhand eine Reisetablette ein als es durch die Meerenge zwischen Okahu Island, auch Red Head Island genannt, und Waewaetorea Island geradewegs zum Hole in the Rock geht 🪨
Die Gischt spritzt hoch, das Boot hüpft über die Wellen, wir wickeln uns in unsere Jacken. 20 Minuten später sind wir da. Schon aus der Ferne wirkt der Durchbruch magisch. Schon für die Māori war die Durchfahrt durch die Jahrtausende geformten Felsen etwas ganz Besonderes, sie galt als Tor zwischen sicherem Hafen und unberechenbarem Meer.




Direkt daneben, auf Piercy Island steht ein kleiner Leuchtturm, der 1883 erbaut wurde, um die Schifffahrt zwischen den Inseln und aufs offene Meer zu sichern. Wer möchte, kann dort übernachten, allerdings ist er nur zu Fuß in 7-8 Stunden erreichbar 👣


Auf der Rückfahrt, die insgesamt etwas ruhiger verläuft, legen wir einen weiteren Stopp auf Urupukapuka Island an der Otehei Bay ein, wo wir erstmal unter der Aufsicht von ganz vielen Möwen frühstücken. Die kommen echt ganz schön nah. Einmal nicht aufgepasst und schwups haben sie einen Bissen ergattert 🫣




Wir vertreten uns die Füße und laufen auf einen der grünen Hügel, wo wie auf vielen kleinen Inseln in Neuseeland Schafe grasen. Sie werden gehalten, um das Gras zu kürzen, was besser für die Böden ist. Sie sind echt schreckhaft, weswegen Mark das Teleobjektiv aufsetzen muss 🐑





Die Aussicht auf die umliegenden Inseln und Buchten ist trotz des bescheidenen Wetters grandios. Wie muss das erst bei blauem Himmel aussehen? 🤔 Naja, zumindest sind wir trocken geblieben, das ist ja auch schon was wert.




Auf dem Rückweg entdecken wir noch einen Austernfischer, der unter einem Baum brütet. Hoffentlich erleidet er keinen Herzinfarkt, bei den ganzen Touristen. Einer wollte uns tatsächlich erzählen, es handelt sich um einen Kiwi 🤣




Zurück auf dem Festland drehen wir noch eine kleine Runde durch das Hafenstädtchen, essen ein Eis und machen dann noch einen Abstecher zu den Haruru Falls.
Haruru bedeutet auf Māori „donnerndes Wasser“ 💦 Tatsächlich stürzt der hufeisenförmige Wasserfall kraftvoll über die Felsen, ein seltener Anblick in Neuseeland. Früher legten die Māori hier mit ihren Kanus an.


Was für ein Tag … Wir machen es uns in unserem kleinen Cottage gemütlich, kümmern uns um den Blog, sortieren Fotos aus und schauen einen Film. Auf dass das Wetter wieder besser wird.
Irgendwann ist es Zeit fürs Abendessen. Rindswürste mit getrockneten Tomaten und Basilkum dazu Salat und Gin Tonic - ein guter Abschluss, oder was meint Ihr?