Wer Südkorea verstehen will, muss nach Andong, um die konfuzianischen Wurzeln des Landes zu verstehen.

Jeden Tag fasziniert es uns auf Neue, wie es trotz Regen und Wolken bis zu 30 Grad warm sein kann. Die Sonne scheint echt Kraft zu haben. Wir packen unsere 7 Sachen und los geht’s nach Andong zu Konfuzius 🙃🙂

Wir entscheiden uns für die Strecke mit Maut, schließlich haben wir von der Mietwagenvermietung extra eine Karte mit Guthaben bekommen, um den Hi-Pass nutzen zu können 🪪 Was bedeutet das? 

Bei einer Mautstation fahren wir auf einer extra gekennzeichneten Spur - meistens ganz links - einfach durch und unser Navi verrät uns die Kosten, die automatisch von dem Guthaben abgezogen werden. Zurück in Busan bezahlen wir dann einfach die Differenz 💰 

Was das angeht, sind die Südkoreaner einfach viel weiter als wir. Dass wir ohne Zusatzkosten ein Auto mit Navi bekommen grenzt in diesem Land nicht an ein Wunder sondern gehört zum Standard. Es erleichtert uns das Fahren ungemein, zumal es ganz klare Anweisungen gibt und uns vor Blitzern etc. warnt.

Hier einige der Ansagen die das nette Fräulein so macht - alle natürlich auf Englisch, Deutsch gibt es bei dem Navi nicht 😜 „Leading vehicle is driving away“, „Slide right follow the pink lane be careful not to take the wrong Road“, prinzipiell sagt sie keine Orte an, mit denen wir eh nichts anfangen könnten.

„In 400 meters be careful with traffic signals speed limit is 60 kilometers per hour“, womit sie vor den Blitzern warnt, ebenso wie mit „In 300 meters moving cameras on speed limit is 60 Kilometers per hour“, damit sind Abschnitte gemeint, wo die durchschnittliche Geschwindigkeit gemessen wir. 

So strukturiert, höflich, gewissenhaft, präzise und diszipliniert die Südkoreaner auch sind, beim Autofahren vergessen sie ihre gute Erziehung. Da wird bei Rot über die Ampel gefahren, werden Spuren geschnitten und sobald keine Kamera in der Nähe ist, Gas gegeben 🚙 

Das sind natürlich Einzelfälle. Alles in allem und insbesondere weil der Verkehr überschaubar und die maximale Geschwindigkeiten 80, in Ausnahmen mal 110 Kilometer pro Stunde ist, gestaltet sich das Fahren recht angenehm 😇

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Gegen Mittag kommen wir in Andong an. Die kleine Stadt im Osten der Provinz Gyeongsangbuk-do hat keine spektakuläre Skylines oder glitzernde Einkaufsstraßen, sie wirkt eher still, fast verschlafen.

Wir steuern direkt die Jjimdak Alley an, einen Gang mitten im Jungang Markt, wo es an mehreren Ständen das gleichnamige Gericht, eine Mischung aus Huhn, Glasnudeln, Gemüse und pikanter Sojasoße gibt. Diese Spezialität stammt ursprünglich aus Andong und gehört damit zur kulinarischen DNA der Region 🧬

Mark ist skeptisch. Er befürchtet Hühnerfüsse und Innereien, aber nichts davon ist drin. Dennoch wurde das Hühnchen, wie oft üblich, einfach zerhackt, das heißt das Fleisch gilt es von Knochen zu befreien - gar nicht so einfach mit Stäbchen, doch wofür gibt es Scheren 🤣

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Das war sehr gut 👍 Da wir erst gegen 15 Uhr einchecken können, besuchen wir noch das Andong Folk Village, das mit seinen nachgebauten Hanok-Häusern, Werkstätten und kleinen Gärten einen kompakten Einblick in das Alltagsleben vergangener Jahrhunderte bietet.

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Ja, schon wieder Kultur, aber vorher stolpern wir erstmal direkt in die „2025 Andong Traditional Liquor Expo“. Wir können gar nicht so schnell gucken, schwups haben wir ein Bändchen um und jeder ein Soju-Schälchen in der Hand 🍶 

Die Expo wird von der Stadt Andong und dem Korea Institute of Spiritual Culture organisiert, um traditionelle Spirituosen aus der Region zu präsentieren und den kulturellen Austausch zu fördern.

Gut, dann probieren wir jetzt auch traditionelle Destillate wie Andong Soju, Ongcheon Makgeolli und Andong Weine. Vielleicht schmeckt einer besser als der traditionelle Soju, den wir schon im Museum probiert haben. Den Besuch hätten wir uns wirklich sparen können. Es erzählt zwar die Geschichte des traditionellen Reisschnapses und zeigt, was wann zu welcher Gelegenheit gegessen wurde, nur leider ist alles auf koreanisch 😕

Deswegen nun eine exklusive Zusammenfassung von mir, jetzt wo wir noch mehr Sorten probieren: Der Ursprung des Sojus in Andong reicht über 6 Jahrhunderte zurück, wo er vor allem in der Oberschicht der Joseon Dynastie bei Ahnenritualen und Zeremonien Verwendung fand. 

Auch nach so vielen Jahren wird er noch traditionell von Hand hergestellt. Durch die mehrfache Destillation erhält er bis zu 40 Prozent, womit er zu den stärksten Sojus des Landes zählt 🤪 

Wir finden einen, der uns schmeckt - klar und mild im Geschmack. Wir kaufen eine Flasche, um wenigstens einen der 27 lokalen Anbieter zu unterstützen. Als Dankeschön bekomme ich noch einen Cocktail im traditionellen Pub „Dalbit Judam“ gratis. Der Andong Highball besteht aus Soju, Whiskey und Tonic Water 😋

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Danach drehen wir eine Runde durch das Andong Folk Village, weswegen wir eigentlich hier sind. Dabei handelt es sich um eine Art Freilichtmuseum, wo verschiedene Arten von Hanok und Bauernhäusern aus dem ganzen Land stehen. Es ist mal ganz interessant, die Unterschiede zu sehen 🙂

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Auf dem Rückweg halten wir noch an einer 7-stöckigen Pagode, denn auch Andong hat eine buddhistische Vergangenheit. Im Vergleich zum Konfuzianismus ist das zwar eher eine Randerscheinung, dennoch versteckt sich eine weitere Pagode am alten Bahnhof. Sie hat nur 5  Stockwerke, wirkt aber ehrlich gesagt etwas vergessen, so allein in einer Ecke zwischen diversen Parkplätzen 🫣

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Unsere Unterkunft wirkt von außen total unscheinbar. Hinter der Eingangstür verbirgt sich jedoch ein modernisiertes Hanok mit eigenen Bad und Gemeinschaftsbereich. Es ist der Auftakt einer kleinen Serie, denn auch in Jeonju werden wir in einem traditionellen Hanok übernachten.

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Wir drehen noch eine kleine Runde und entdecken in einer Querstraße ein buddhistisches Bildungszentrum mit klosterähnlichen Strukturen. Es gehört zum Haedongsa Tempel, ebenso wie die auffällige weiße Steinpagode „Sipseon-daebotap“. Auch sie gilt als Symbol des Glaubens und beherbergt Reliquien von Buddha.

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Zurück laufen wir durch die Fußgängerzone. Das Maskottchen der Stadt prägt die Straße und lässt sie bunter erscheinen als das restliche Stadtbild, dass eher Grau in Grau ist. Wir schauen kurz bei der Mammot Bakery vorbei, kaufen noch ein Cheese Creme Brötchen, welches wir dann zusammen mit den Resten von Bread Monster vertilgen.

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Danach ziehen wir nochmal los, denn auch die Wolyeonggy oder Moonlight Bridge ist abends beleuchtet. Nicht von Scheinwerfern, sondern von Laternen, die die fast 400 Meter lange Fußgängerbrücke aus Holz in ein warmes Licht tauchen. Wunderschön anzusehen und romantisch, bis plötzlich Wasserfontänen in den Farben eines Regenbogens die idyllische Stille unterbrechen 😃

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Mit diesen Bildern verabschieden wir uns und drücken ganz fest die Daumen, dass die Sonne wieder scheint - aufgegessen haben wir 🙃 Und natürlich gibt es anstatt einen Whiskey einen Soju mit 40 Volumenprozent.