Kaum eine Stadt schafft diesen Spagat zwischen Zukunft und Tradition so selbstverständlich wie Seoul.
Mit 4 Stunden Schlaf im Flieger landen wir morgens gegen 7 Uhr in Seoul. Hinter uns liegt ein Wochenende zwischen prunkvollen Moscheen und einer Bootstour durch den Dschungel. Vor uns liegen 5 Wochen Südkorea, eine Hightech Nation mit tiefen Wurzeln 👍


Südkorea ist etwa so groß wie Portugal und dennoch hochdynamisch, dicht besiedelt und stets in Bewegung. Im Süden erwarten uns Großstadtlichter, Tempel und Streetfood. Im Norden des Landes herrscht Stillstand.
Die Teilung der koreanischen Halbinsel wirkt bis heute nach. Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende ist die Demilitarisierte Zone, kurz DMZ, noch immer eine der strengsten Grenzen der Welt 😳
Wir starten in Seoul, der Hauptstadt von Südkorea. Rund 25 Millionen Menschen leben in der Metropolregion, das entspricht fast der Hälfte der Gesamtbevölkerung des Landes 🇰🇷
Trotz Müdigkeit tauchen wir direkt ein und begeben uns auf einen ersten Streifzug. Dafür müssen wir von Incheon aber erstmal in die Stadt. Das geht am effizientesten mit dem AREX, dem Airport Railroad Express 🚆
Wir kaufen die Tickets am Automaten, bezahlen ganz einfach mit unserer Kreditkarte der Bank of Norwegian. Was haben wir alles gelesen, welche Probleme es mit Kreditkarten geben soll 🫣
Um die Zeit erwischen wir nur den, der an allen Stationen hält, so dass wir anstatt 45 nun 60 Minuten bis nach Seoul benötigen. Macht nichts, ist auch günstiger 😂
Sofort ist klar, wir sind in Südkorea. Ähnlich wie in Japan sind die Züge pünktlich, zum Einsteigen stellen wir uns an, alles ist sauber, funktioniert präzise und in der U-Bahn ist es ruhig. Nicht nur, weil gefühlt jeder auf sein Handy starrt, nein, es gehört sich, in der U-Bahn nur zu flüstern 🤫
Es ist interessant die Menschen zu beobachten 👀 Manche schlafen, einige junge Frauen tragen einen Lockenwickler im Haar, um den Pony aufzuhübschen. Es ist eine bunte Mischung. Was noch auffällt, Älteren wird direkt ein Sitzplatz angeboten, wenn die für sie markierten Bereiche bereits belegt sind, und am Anfang oder Ende jeder Reihe gibt es einen Platz für Schwangere.
Wir erreichen Seoul Station, den zentralen Eisenbahnknoten Südkoreas. Täglich wechseln hier über 100.000 Menschen nur die U-Bahn-Linien. So auch wir. Zum Glück können wir unser Gepäck direkt an der Unterkunft zwischenlagern und müssen nicht auf die Schließfächer irgendwo in der Stadt zurückgreifen 🙏
Bevor wir umsteigen, brauchen wir entweder die sogenannte T-Money Card oder die Climate Card, die sich bei 6 Tagen definitiv lohnt. Was ist der Unterschied? Die T-Money Card berechnet die Fahrten einzeln und muss immer mit Bargeld aufgeladen werden. Die Climate Card kostet für 7 Tage Flatrate 20.000 WON pro Person und lohnt sich, wenn wir 2-3x am Tag fahren. Das schaffen wir 😎
Natürlich könnt Ihr die Fahrten auch immer einzeln kaufen, aber das macht bei einem längeren Aufenthalt keinen Sinn. Die Karten gibt es normalerweise in jedem der kleinen Convenience Stores an den Haltestellen.
Mit der Linie 4 sind wir keine 5 Minuten später an der Station Chungmuro und nur ein paar 100 Meter weiter ist unser Airbnb namens Bauhausstay. Einchecken können wir noch nicht, aber unser Gepäck abstellen - juhuuu 🙌



Direkt um die Ecke ist das Flatslipper Café and Bakery. Bei einer Zitronenlimo und einem Matcha Latte sowie 2 Sandwiches kommen wir erstmal an. Kurz durchatmen, bevor wir uns in diese Megacity stürzen, die von Kontrasten lebt.



Allein das Café ist so ein Beispiel, total modern und stylisch liegt es eingebettet in einer kleinen Gasse, zwischen alten Häusern und Wolkenkratzern. Ab wann zählt ein Hochhaus eigentlich als Wolkenkratzer? 🧐
Ganz einfach, ab 6 oder 7 Stockwerken ist es ein Hochhaus, ab 30 Stockwerken ein Wolkenkratzer. Seoul ist eine der Städte mit der dichtesten Hochhaus- und Wolkenkratzerlandschaft weltweit. Diese prägen das Stadtbild und schaffen ein modernes urbanes Erlebnis.



Der Großteil dieser Gebäude dient als Büros, Hotels und Wohnungen und steht für Seouls rasante wirtschaftliche Entwicklung, wobei es in erster Linie der Mix aus traditioneller Kultur und futuristischer Architektur ist, der diese Stadt zu einem faszinierenden Kontrast und Magneten für Touristen wie uns macht 😎








Gestärkt starten wir in den Tag und fahren mit der U-Bahn zum „Shinsegae“ an der Hoehyeon Station. Das Stammhaus der Shinsegae Department Stores zählt zu den ältesten und renommiertesten Kaufhäusern des Landes.
Eröffnet 1930 unter dem Namen “Mitsukoshi Gyeongseong Branch” wurde es 33 Jahre später in Shinsegae umbenannt. Der markante Gebäudekomplex vereint historische Architektur des frühen 20. Jahrhunderts mit modernen Erweiterungen und beherbergt Luxusmarken, internationale und koreanische Labels sowie Gourmet-Restaurants.
Wir schlendern ein wenig durch die Etagen, drehen einen Runde durch den Garten im 11. Stock und inspizieren schlussendlich den Supermarkt und den Food Court. Beides nicht wirklich preiswert, aber qualitativ sehr hochwertig. Gut, dass wir satt sind 🤣


Danach folgt das Kontrastprogramm schlechthin. Direkt dahinter beginnt der Namdaemun Markt, Seouls größter und ältester Markt. Zwischen Kleiderständen und Gewürzsäcken stehen Garküchen dicht an dicht, aus denen Suppentöpfe dampfen.


Besonders begehrt scheinen zwei besonders kleine Gassen zu sein. In der einen gibt es Godeungeo Jorim, geschmorte Makrele in einer würzigen Sauce, die oft auf Sojasaucenbasis mit Chilipaste zubereitet wird, in der anderen Kalguksu, von Hand geschnittene Nudeln. Wir kommen später wieder, versprochen 🤞





Wir legen einen kurzen Stop im Mungchichi Café ein, denn unsere Wasserflasche ist schon leer. Das Wetter bringt uns wieder einmal zum Schwitzen 🥵 Es ist war nicht ganz so feucht, dafür aber heiß und schwül.
Die Auswahl fällt uns wieder einmal nicht leicht. Die Milchshake, Smoothies & Co. sehen echt gut aus. Mark entscheidet sich für einen Matcha Smoothie 🍵 Ich nehme zur Abwechslung ein Joghurteis mit Mango 🥭




Am Ende oder Anfang des Marktes, alles eine Frage der Perspektive, steht das Sungnyemun Tor, eines der vier Haupttore der alten Stadtmauer. Es wurde 1398 erbaut, gehört offiziell zum UNESCO Weltkulturerbe und wurde nach einem verheerenden Brand im Jahr 2008 in jahrelanger Arbeit restauriert. Es gilt als Symbol für das alte Herz der Stadt ❤️
Wir wollen eigentlich die Wachen fotografieren, doch in dem Moment, wo die Ampel grün wird, verschwinden die Jungs einfach und kommen nicht wieder. Gut, morgen ist auch noch ein Tag und übermorgen … 😉


Wir laufen rüber zur Seoullo 7017, eine ehemalige Hochstraße, die heute als bepflanzter Skywalk durch die obere Ebene der Stadt führt. Die Zahl 7017 im Namen steht für das Baujahr der ursprünglichen Hochstraße 1970 und das Jahr der Umwandlung zur Fußgängerbrücke 2017.
Über 200 Pflanzenarten säumen den 1 Kilometer langen Weg, der bis Seoul Station führt. Es erinnert an New Yorks High Line, fühlt sich aber durch und durch koreanisch an. Auf Augenhöhe mit den oberen Etagen der Hochhäuser lauschen wir dem Stadtverkehr, ohne selbst Teil davon zu sein - was für ein Ausblick 🙃🙂







Es ist so langsam Zeit, einzuchecken. Vorher besorgen wir aber noch eine Flasche Whiskey 🥃 und ein paar Getränke im Lotte Mart, einem der bestens sortierten Supermärkte der Stadt. Wir schauen auch schon mal, was es an Sushi gibt, schließlich haben wir ein Appartement.
Das beziehen wir jetzt erst einmal. In Seoul gibt es keine Schlüssel oder Karten dafür. Alles funktioniert mit Touchpads, wo wir einfach den Code eingeben - super easy und komfortabel. Es ist klein, aber funktional. Wir haben alles, was wir brauchen inklusive einer Waschmaschine 🤣



Wir ruhen uns kurz aus oder besser gesagt, Mark lässt mich gut eine Stunde schlafen. Denn keine 2 Minuten, nachdem ich mich aufs Bett gelegt habe, bin ich in Lummerland 😴
Echt cool, wir haben sogar 2 U-Bahn-Linien vor der Tür. Wir nehmen wieder die 4 und fahren 2 Stationen bis Hoehyeon. Das Einzige, was wirklich wichtig ist, vor dem Aussteigen zu checken, welcher Ausgang am meisten Sinn macht, da die Haltestellen riesig sind. Im Zweifel kommt Ihr sonst komplett woanders raus als erwartet 😬
Wir orientieren uns kurz und spazieren direkt entlang der Hanyangdoseong, der alten Stadtmauer, zum Baekbeom Park. Der Abschnitt zählt zu den am besten zugänglichen und schönsten. Es gibt Kopfsteine, Mauertürme und Ausblicke über die Dächer der Stadt. Insgesamt erstreckt sie sich über 18 Kilometer 🧱




Wir schauen noch bei den beiden Statuen vorbei. Lee Siyung, der erste Vizepräsident Südkoreas setzte sich vor allem für Bildung, Unabhängigkeit und die Modernisierung des Landes ein. Kim Gu war einer der Anführer der Unabhängigkeitsbewegung gegen die japanische Besatzung und gilt als Symbol des Freiheitskampfes und des nationalen Stolzes 🇰🇷




Mark hat bei seinen Recherchen noch eine kleine Galerie entdeckt. Die Whitestone Gallery liegt etwas versteckt zwischen modernen Glasfassaden und ist ein ruhiger, heller Raum für zeitgenössische Kunst.



Die Ausstellungen wechseln, doch die Stimmung bleibt dieselbe: konzentriert und fast andächtig. Vom Dach haben wir einen tollen Ausblick auf Seoul: Die untergehende Sonne spiegelt sich in den Glasfassaden der Hochhäuser ☀️


Auf dem Weg zurück zum Namdaemun Markt stolpern wir noch über eine super kleine Bar: die Haven Bar, koreanisch: 헤이븐. Zwischen all den Musikutensilien im Retro und Vintage Style genießen wir einen Gin, den wir noch nicht kennen, und den Signature Cocktail. Dazu gibt es Nüsse und Schokolade 🥰 Auch die Musik ist cool, wir fühlen uns wie im Wohnzimmer eines verrückten Musikers.




Versprochen ist versprochen. Zum Abendessen gibt es Kalguksu. In der Gasse ist fast nichts mehr los. Wir setzen uns an einen der zahlreichen Stände und bestellen die handgemachten Nudeln und Bibimbap.
Wir wissen gar nicht, warum und wieso, plötzlich stehen gefühlt 10 Schälchen vor uns. Unsere Recherche zeigt, typischerweise werden verschiedene Beilagen serviert, darunter Kimchi, Kongbiji, eine Suppe aus Sojabohnenpaste, Naengmyeon, kalte Nudeln mit gekochten Ei und Frühlingszwiebeln. Wir probieren alles, schließlich haben wir ja Perentherol und Whiskey 🥃
Es ist ein Feuerwerk an Aroma, manchen ist gut würzig 🌶️, aber nichts zu scharf. Zu uns gesellen sich noch weitere Touristen, auch erstaunt über die Menge, die ihnen serviert wird. Das Ganze kostet keine 20.000 WON, was umgerechnet etwa 12,50 Euro sind. Auf jeden Fall sind wir gut gesättigt 😋




Wir drehen noch eine kurze Runde durch unser Viertel und genießen Seoul bei Nacht. Bunte Reklameschilder leuchten zwischen den Hochhäusern - was für ein Anblick. Wir entdecken noch das ein oder andere Café und Restaurant, was wir uns für die nächsten Tage merken ☺️







Wir haben uns übrigens vorgenommen, immer wenn uns irgendwas fasziniert oder kurios vorkommt, ein Foto zu machen. Dazu gehören definitiv der Sitzplatz für Schwangere, die Gasmasken an den U-Bahn-Stationen, die Würstchen im Supermarkt, ein Laden, der für Kaffeekapseln von Starbucks und Instantnudeln verkauft, Biersorten, die es in Deutschland nicht gibt, obwohl es bekannte Marken sind, und das Wagyu Beef Set für 500.000 WON, was umgerechnet ungefähr 300 Euro sind 🤣






Für heute ist Schluss mit lustig, wir fallen müde, aber voller erster Eindrücke ins Bett. Das werden auf jeden Fall sehr ereignisreiche Tage!